Mittwoch , 23. September 2020
Dr. Markus Fein bei seinem letzten Bleckede-Besuch als Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Foto: t&w

Gesundheit hat nun einmal Vorrang

Schwerin/Bleckede. Lange haben sie gewartet, gehofft, gepokert. Aber es geht nicht. Als letztes der großen Festivals des Sommers haben jetzt die Festspiele Meck lenburg-Vorpommern ihr Aus erklärt – zumindest bis 31. August. Ausfallen werden damit auch die Konzerte in Bleckede (19. Juni) und Konau (22. Juli). Eine Option besteht – noch – für Neuhaus, wo am 11. September Martynas Levickis und das Danish String Quartet auftreten könnten. Über etwaige Festspiele-Konzerte im September solle bis 31. Juli entschieden werden, teilt Intendant Markus Fein mit.

Es bleibt ein Lücke von einer Million Euro

Die seit 30 Jahren bestehenden Festspiele folgen mit ihrem Entscheid jetzt erfolgten Vorgaben von Mecklenburgs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: keine Festspiele bis 31. August. Intendant Fein stimmt dem Vorrang der Gesundheit vorbehaltlos zu, sagt aber zugleich: „Diese Entwicklung trifft uns hart.“ Die Festspiele kalkulierten mit einem Etat von 5,3 Millionen Euro. Trotz Ausgabenstopp, Kurzarbeit und Wegfall vieler Künstlerhonorare und Kosten bei Dienstleistern bleibt laut Intendant „ein Fixum von 1,4 Millionen Euro“. Durch zugesagte Hilfen des Landes und weiterer Geldgeber reduziere sich das Defizit auf rund eine Million Euro. „Diese Lücke müssen wir durch einen privaten Rettungsschirm schließen“, sagt Intendant Fein.

Die Festspiele hoffen auf Unterstützung durch Sponsoren, Stiftungen und Mäzene. Auch durch Kartenkäufer, die den bereits gezahlten Preis ganz oder in Teilen als Spende geben können. Zahlreiche Konzerte dieses Sommers wurden zudem auf 2021 verschoben, die entsprechenden Karten bleiben gültig. Das gilt zum Beispiel für das „Kleine Fest im großen Garten“ Ludwigslust. Details zum Prozedere mit den Karten sowie neue Termine finden sich auf der Internetseite www.festspiele-mv.de.

Dort wird als Novum ein Festspielwinter angekündigt. Zu ohnehin geplanten Advents- und Neujahrskonzerten kommen vom 4. November bis 16. März Auftritte von Künstlern wie Rudolf Buchinder, Martynas Levickis und Götz Alsmann. Um trotzdem auch im Sommer Musik zu bieten, startet am ursprünglichen Auftaktwochenende 13./14. Juni ein digitaler „Netzspielsommer“ mit Live-Konzerten, Grußbotschaften unserer Festspielpreisträgerinnen und -träger, Gesprächen sowie Film- und Konzertaufnahmen aus dem Festspielarchiv. Zu empfangen sein wird das über die Internetseite.

Digitaler Netzspielsommer

Intendant Fein hat noch etwas im Köcher: „Mit dem Alternativprogramm „30-mal anders“ werden wir in Absprache mit den Gesundheitsbehörden Veranstaltungen schaffen, die Kultur ins Land bringen, wo immer es möglich ist.“ Was wie wo und wann, das folgt.

Sollten im September tatsächlich die geplanten Konzerte möglich sein, zum Beispiel das mit Nigel Kennedy am 5. September auf dem Landgestüt Redefin, ist der 2014 nach Mecklenburg-Vorpommern gekommene Intendant eigentlich schon weg. Ab 1. September tritt er seine neue Position als Intendant der Alten Oper Frankfurt an. Seine Nachfolgerin bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern ist – ebenfalls zum 1. September – Ursula Haselböck.

Von Hans-Martin Koch