Sonntag , 27. September 2020
Schauspielerin Britta Focht liest einen Text für digitale Ausgabe „Theater tifft Museum“ zum 75. Jahrestag des Kriegsendes. (Foto: t&w)

Erinnern und gedenken

Lüneburg. Das Kriegsende in Lüneburg – zwischen Zusammenbruch und Neuanfang: Eigentlich wollten das Theater und das Museum Lüneburg ihre Reihe „Theater trifft Museum“ am 19. April mit einer Lesung mit Musik zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs fortsetzen – verbunden mit einer passenden Ausstellung.

Doch die Corona-bedingten Einschränkungen machten auch diese Veranstaltung unmöglich. „Wie uns ist es ja allen gegangen: Die vielen ganz unterschiedlichen Veranstaltungen, die geplant waren, mussten ausfallen. Also haben wir uns entschieden, ein digitales Angebot zu entwickeln, das Lesung, Ausstellung und Musik verbindet“, so Friedrich von Mansberg, Chefdramaturg des Theaters, und Prof. Dr. Heike Düselder, Museumsleiterin.

Einstündige Lesungen

Entstanden ist ein Mosaik aus ganz unterschiedlichen Bausteinen: Augenzeugenberichte aus den letzten Kriegstagen in Lüneburg treffen auf Texte des Schriftstellers Wolfgang Borchert, der 1941 als Schauspieler in Lüneburg arbeitete. Schlager aus dem Jahr 1945, die vor allem von einer heilen Welt träumen, stehen neben Protokollnotizen aus dem Lüneburger Stadtarchiv. Gelesen werden die Texte von den Schauspielern Britta Focht, Niklas Schmidt und Philip Richert, am Flügel im Marcus-Heinemann-Saal des Museums spielt Ulrich Stöcker. „Ganz besonders berührend ist ein Interview mit einem jüdischen Überlebenden eines KZ-Zuges, der wohl am 8. April durch Lüneburg kam. Dieses eindringliche Zeitdokument kam eher durch Zufall an uns und wirft ein erschütterndes Licht auf die letzten Kriegstage in Lüneburg“, so von Mansberg weiter.

Bei der knapp einstündigen digitalen Lesung werden aber auch einige der Gegenstände aus der Sammlung des Museums gezeigt, die Kurator Dr. Ulfert Tschirner für die begleitende Ausstellung vorgesehen hatte. „Wir hoffen sehr, dass mit diesem digitalen Angebot, das ab dem 8. Mai um 19 Uhr über diverse Kanäle wie die Facebook-Seiten und die Homepages des Theaters, des Museums und der Hansestadt Lüneburg zugänglich ist, wenigstens ein kleiner Beitrag des Erinnerns und Gedenkens entstanden ist“, fasst von Mansberg zusammen.

Das Theater Lüneburg hatte einst einen Ort des Erinnerns und der Kon­fron­tation, der Anschau­ung und der Beob­ach­tung gesucht und hat ihn in den Räumen des Museums gefun­den. Seit 2016 präsentieren Schau­spieler des Lüne­burger Theater-Ensembles im Museum semi­szenische Lesungen – diesmal per Kamera. lz