Mittwoch , 28. September 2022
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Walter Knolle, hier in der Abteilung "Erotic Art", öffnet seine Kunstscheune wieder. Foto: t&w

Die hölzerne Galerie öffnet wieder

Radbruch. Eigentlich war erst einmal Schluss. Im Jahre 2017 machte Walter Knolle seine Kunstscheune in Radbruch nach zehn Jahren dicht. Gegründet als ambitioniertes Ausstellungs-Projekt mit baumhohen Objekten, begehbaren Installationen, wechselnden Sonderausstellungen und einem Skulpturengarten drumherum, wurde das Ganze auf die Dauer zu teuer. Denn zum Konzept gehörten auch Beiträge von namhaften Gästen, das rechnete sich nicht. Jetzt aber öffnet Walter Knolle seine hölzerne Galerie wieder.

Am vergangenen Sonnabend hat der Grafiker und Holzbildhauer – Knolle ist kein Künstlername – den geräumigen, etwas zugigen ehemaligen Stall in der Schäfer-Ast-Straße 15 A aufgeschlossen. Die letzte Ausstellung war als Retrospektive ausgelegt, als „Best of“ mit Zitaten aus einem Jahrzehnt.

Arbeiten geprägt von gesellschaftspolitischem Anliegen

Daran knüpft der Hausherr nun an, die Exponate stammen von ihm selbst. Die Figuren, üppige Weibsbilder oder dürre Hungergestalten, kantig herausgesägt oder fein modelliert, sind nicht nur dekorativ. Walter Knolles groß- und kleinformatige­ Arbeiten sind auch geprägt von einem gesellschaftspolitischen Anliegen. Machtmissbrauch, Ausbeutung, Kolonialismus und Repressalien durch autoritäre Regime in Deutschland, Afrika oder Lateinamerika, das sind Themen, die immer wiederkehren.

Konkret: „Tortura“ ist eine düsterer, durchaus etwas angst­einflößender verwinkelter Gang, in dem das Thema Folter einprägsam dargestellt wird, ein Schild am Eingang sagt: Keine Kinder, no children. Zu Tortura gehört ein gleichnamiger Holzschnitt-Zyklus. Andere Installationen tragen Titel wie „Erotic Art“, „Hauptsache AUTOmobil“, „Insel der Seligen“ und „Dialog mit Afrika“. Dazu kommen Grafiken, Gemälde und ein Triptychon über die Tsunami-Kata­strophe von 2004.

Platz für einen weiteren Künstler mit Werkstatt

Der Skulpturengarten wurde um zwei Objekte erweitert und bietet nun unter anderem 13 große Eichenskulpturen. Drinnen, in der Scheune, geht es rechts, links, oben und unten verwinkelt zu. Es gehört zum Charme dieser Ausstellung, die Winkel der Scheune zu erkunden, auch, die rustikale Treppe in den ersten Stock zu erklettern. Hier könnte sich auch ein weiterer Künstler mit einer Werkstatt einrichten, ein „artist in residence“.

Walter Knolle, 1942 in Offenbach geboren, studierte Biologie und Kunst, arbeitete seit 1970 als Lehrer in Hamburg und – oft in Zyklen über mehrere Jahre zu einem Thema – seit 1987 als freischaffender Holzbildhauer.

Kunstscheune und Skulpturengarten sind nun jeweils am ersten Wochenende von Juni und Juli sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet – Eintritt mit Schutzmaske, versteht sich. Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei. Jeweils um 16 Uhr bietet der Hausherr eine Führung an, um 17 Uhr gibt es am Tsunami-Triptychon eine Lesung mit Augenzeugenberichten. Weitere Infos im Web (kunstscheune-radbruch.de).

Von Frank Füllgrabe