Samstag , 26. September 2020
Theaterleiterin Margit Weihe setzt auf den Zusammenhalt ihrer Truppe. Foto: t&w

Die Theaterfamilie ist noch da

Lüneburg. Manchmal könnte man wirklich abergläubisch werden: Am Freitag, 13. März, spielte ein Erwachsenen-Ensemble des Theaters im e.novum den „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand, dann fiel der Vorhang. Er ist bis heute geschlossen, es war die vorerst letzte Vorstellung, Corona legte den Betrieb still. Theaterleiterin Margit Weihe sucht nun nach Überlebensstrategien für ihre kleine Bühne am Munstermannskamp.

Das Geld wird knapp, der Ticketverkauf fehlt, im vergangenen Jahr kamen rund elftausend Besucher. Es gibt Fördermitglieder, manche Eintrittskarte wurde nicht zurückgegeben, sondern auf irgendeinen späteren Termin umgebucht. Das ist schon mal eine schöne Geste.

Die Bindungen aufrecht halten

Aber Margit Weihe ist es genauso wichtig, die Bindungen der vielen jungen und alten Schauspieler und Schauspielerinnen an das im Jahre 2000 gegründete Privattheater lebendig zu halten. In sieben Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Ensembles spielen insgesamt rund 120 Mitglieder, in den Workshops erproben sich auch noch einmal etwa 100 Menschen.

Viele Theater verlegen ihre Shows auf die Web-Bühne. Im Schwerpunkt geht es im e.novum aber auch um die Ausbildung, „man kann nicht online proben“, sagt Margit Weihe, „Theater bedeutet immer Körpereinsatz“. Ein Kuss per Bildschirm?

Videos werden dennoch gedreht. Eines zeigt Szenen aus der „Busfahrt mit Kuhn“, die am 30. Mai starten sollte. Ein anderes soll so ziemlich alle Darsteller/innen des Hauses beteiligen, gespielt wird im Zwei-Tage-Abstand jeweils 30 bis 60 Sekunden, eine Performance mit der Botschaft: „Es gibt uns noch, die Theaterfamilie ist noch da“, so Weihe, und zitiert einen Filmtitel: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Die Auswirkungen der Schließung reichen in die Zukunft. Eigentlich sollte die aktuelle Saison bis 5. Juli laufen, die neue am 5. September mit „Grand Hotel Bruckbeuren“ nach Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ beginnen. Aber da die Proben ausfallen, stehen jetzt auch die späteren Produktionen zur Disposition.

Ins Spiel kommt dafür jetzt ab 1. Mai ein neues Kleidungsstück, ohne das zurzeit nichts geht, gemeint ist natürlich die Schutzmaske. Näheres ist auf der Homepage des e.novum-Theaters nachzulesen. Eine Idee des Ensembles: Von Hand genäht, werden die Masken, deren Preis eine Spende an das Theater mit einschließt, beim Kunden persönlich abgeliefert – und zwar mit einer kleinen Aufführung. Theater verpflichtet.

Von Frank Füllgrabe