Sonntag , 25. Oktober 2020
Museumsleiterin Dr. Heike Düselder, Archäologe Dr. Edgar Ring (l.) und der Historiker Dr. Ulfert Tschirner mit einer Holzskulptur des Jakobus. Foto: t&w

Von Lüneburg an das Ende der Welt

Lüneburg. Was wollen Pilger heutzutage? Spiritualität, innere Einkehr, zu sich selbst finden. Populär wurde der Weg zu dem spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela bei uns wohl vor allem durch Hape Kerkeling, der Titel seines Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ ist heute ein geflügeltes Wort. Doch es gab Zeiten, da war die Wallfahrt eine deutlich ernstere Angelegenheit. Daran erinnern soll die Ausstellung „Pilgerspuren ­– Von Lüneburg an das Ende der Welt“ im Museum.

Plaketten im Schlick des Stader Hansehafens

Am Anfang des Museums-Projekts war der Schlick von Stade: Archäologen stießen im Modder des historischen Hansehafens immer wieder auf kleine Metallstücke aus dem Mittelalter – Pilgerplaketten. „Der norddeutsche Raum ist, was dieses Thema angeht, kaum erforscht“, sagt Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder. Die letzte Ausstellung in Deutschland ist übrigens 35 Jahre her – in München.

So wuchs über die Jahre das Konzept zu einer Doppelausstellung: Der Schwedenspeicher Stade zeigt „Wege in den Himmel“ und führt in eine heute fremdartig anmutende, manchmal zugleich naive und berechnende Frömmigkeitskultur. Es ging um die Sicherung des ewigen Seelenheils, nicht nur um eine entspannte Wanderung.

In Lüneburg geht es um die Reisen zu den berühmten Fernwallstätten, also Rom, Jerusalem und eben Compostela. Die Gräber der Apostel Jakobus, Petrus und Paulus sowie die heiligen Stätten um das Grab Christi waren zentrale Orte des Christentums. „Viele Lüneburger waren wohlhabend und konnten sich eine lange Reise leisten“, so Dr. Düselder. Die Reformation setzte dieser Form der Heiligenverehrung ein jähes Ende.

Eröffnung am Weltpilgertag

Stadtarchiv und Ratsbücherei bergen viele Texte über pilgernde Lüneburger, für eine attraktive Ausstellung reichen Dokumente, Briefe, Reiseberichte und ähnliche Papiere aber nicht. Ein Rosenkranz aus Gagat mit dem Motiv der Jakobsmuschel zählt zu den wenigen eigenen Beständen, viel mehr war im Hause nicht aufzutreiben.

Rund fünfzig Leihgeber aus dem In- und  Ausland schicken nun Skulpturen, Gemälde und ähnliche Objekte, aufwändig verpackt und hoch versichert. „Wir hatten noch nie so hochwertige Exponate“, sagt die Museumsleiterin.

Ab wann ist das Ganze zu sehen? „Wir bedauern sehr, dass unsere Museen noch geschlossen bleiben müssen, denn wir sind Bildungsorte und könnten gerade jetzt den Familien mit Kindern eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung anbieten“, so Dr. Düselder. „Wir haben dazu ein Besucherkonzept erarbeitet, das alle Hygieneanforderungen berücksichtigt.“

Nach einigen Termin-Verlegungen wird „Von Lüneburg bis ans Ende der Welt“ nun am 26. Juli eröffnet, das ist der Weltpilgertag, die Ausstellung läuft bis 1. November. Stade öffnet am 1. Oktober. Etwas Besonderes wird auch der Katalog zur Ausstellung sein, er soll rund vierhundert Seiten umfassen.

Von Frank Füllgrabe