Samstag , 19. September 2020
Ilka Raupach macht einen kleinen Rundgang durch die Ausstellung "Amantikir". Foto: t&w

Sie bringt die Welt in Form

Lüneburg. Die Künstlerin Ilka Raupach ist viel unterwegs auf der Welt. Sie nahm Stipendien in Brasilien, Uruguay, Finnland und Kanada wahr, reiste mit ihrer Kunst nach Schweden und Norwegen. So wenig nachhaltig ihr Weltbefliegen sein mag, so sehr spiegelt sich in ihren Skulpturen und Bildern das unmittelbare Erleben von Natur, ihrer Erhöhung in Märchen und Mythen, aber auch ihrer Degeneration durch Zerstörung. Ilka Raupach gilt die erste Ausstellung des Kunstvereins Lüneburg an neuer Stätte, Lünerstraße 10a. Dank eines großen Schaufensters ist „Amantikir“ virenfrei erfahrbar.

Der Titel der Ausstellung weist nach Brasilien und verweist auf eine Legende der Tupi-Indianer, auf eine Legende über Liebe und Leid zwischen einer Häuptlingstochter und der Sonne. Amantikir, der Berg, der weint, hat in dieser Geschichte eine trennende Funktion zwischen den höchst ungleichen Liebenden. Der mystische, mythische Berg kann, so Kunst will, auch als Symbol stehen: für die Vielfalt von Wechselbeziehungen zwischen den Kräften der Natur und denen des Menschen.

Berg als Symbol für die Vielfalt

Dahinein grätscht die 1976 im Brandenburgischen geborene Ilka Raupach. Sie nutzt den Spielraum zwischen Rationalem und Phantastischem. Sie pickt symbolhafte Details aus dem, was sie sieht, hört, erfährt, erfühlt, und macht sich ihren eigenen Reim darauf. Das führt zu Collagen und zu Skulpturen, die in Übergröße und reduzierter Form Pflanzen und Blüten darstellen, aber auch eine Gruppe kaulquappiger Wesen, die sich nun in der Mitte des Galerieraumes zu bewegen scheinen, aber aus geflammter Erle bestehen.

Was dahinter steht, bringt die ebenfalls vielreisende, zwischen Südamerika, Baltikum und Balka lehrende Kunstwissenschaftlerin Dr. Dorothée Bauerle-Willert so auf den Punkt: „In Ilka Raupachs Arbeiten wird die staunende Anschauung der Natur auf ihr Wesentliches konzentriert. Ihr luzider Übertrag in künstlerische Form erreicht Rätsel- und Selbstbilder zugleich und facettiert so die wundersame Anschauung der Schöpfung.“ Der gesamte Text steht in einem Katalog zur Ausstellung.

In diesem Sommer würde Ilka Raupach gern ein weiteres Stipendium in Brasilien wahrnehmen. Doch nun schrumpft ein Virus die Welt und hebelt auch den Kunstbetrieb aus. Er wird sich neu sammeln, vielleicht neu definieren müssen.

Kurzvideos gibt es im Internet zu sehen

Der Kunstverein hat die Ausstellung bis Pfingsten verlängert, bis Mitternacht brennt Licht im Raum. Auf www.kunstvereinlueneburg.de sind außerdem einige Kurzvideos zu „Amantikir“ zu sehen.

Ab 12. Juni folgt an der Lünerstraße die Klasse der Professorin Cony Theis mit einer Corona-konformen Ausstellung unter dem Titel „Miror“. Sie besteht aus einer mehrgliedrigen Video-Installation, die nur durch „Gucklöcher“ im Schaufenster zu sehen sein wird.

Der geänderte Kunstvereinskalender setzt sich im September fort, da geht es erneut um Cony Theis, um Geheimnisse und um Geheimnisträger. Unter dem Titel „Der verdichtete Raum“ soll ab November ein Projekt von Rainer Plum das Kunstvereinsjahr abschließen. Wie immer in diesen Tagen, sind alle Angaben zu Terminen ohne Gewähr.

Von Hans-Martin Koch