Montag , 28. September 2020
John von Düffel war als Heinrich-Heine-Gastdozent vorgesehen. Im Juni ist die Vorstellung seines neuen Romans „Der brennende See“ geplant. Sandra Gugic ist als nächste Heine-Stipendiatin auserkoren, ob sie im Mai in die Wohnung am Markt einziehen kann, ist ungewiss. (Fotos: Dumont/Beck)

Viele Fragen, keine Antworten

Lüneburg. Ingo Schulze, geboren 1962 in Dresden, und Lutz Seiler, geboren 1963 in Gera: zwei der wichtigen deutschen Autoren, die in Lüneburg lesen sollten und wollten. Der eine mit „Die rechtschaffenen Mörder“, jüngst nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, der andere mit „Stern 111“, erst ebenfalls nominiert, dann ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (wir berichteten). Zwei Bücher über deutsche Wendezeit. Beide Lesungen mussten abgesagt werden, aber kommen die Autoren doch?

„Wir versuchen es“, sagt Kerstin Fischer, Geschäftsführerin des Literaturbüros. Termine aber gibt es nicht, sie zu finden wird schwer. Ab wann kann man planen? Haben die Autoren dann Zeit? Wie steht es mit den beteiligten Verlagen? Viele Fragen, keine Antworten.

Zurzeit wird alles nach hinten verschoben. Im Herbst oder wann immer es wieder ein komplettes Kulturangebot gibt, werden sich die Termine von Konzert bis Kunst stapeln. Kerstin Fischer ist froh, dass sie das Herbstprogramm des Literaturbüros noch nicht festgezurrt hat. Sie muss auch prüfen, in welcher Form an welchen Orten Lesungen angeboten werden können. Erst einmal ist es undenkbar, dass im engen Heine-Haus Zuhörer sitzen können.

Unklar ist auch, wann es mit den Heinrich-Heine-Stipendiaten weitergeht. Bis Ende April war die Wohnung frei für Ronya Othmann, eine gemeinsame Lesung mit Nora Bossong musste abgesagt werden. Ronya Othmann machte sich schließlich vor Ablauf ihres Stipendiums auf den Heimweg. Ab Mai soll Sandra Gugić die Stipendiatenwohnung im Heine-Haus beziehen. Die 1976 geborene österreichische Autorin („Astronauten“) lebt in Berlin und Wien. Ob sie ihr Stipendium antreten kann, das ist wie fast alles in diesen Wochen offen.

Noch ein Fragezeichen: Was wird mit der Heinrich-Heine-Gastdozentur, die John von Düffel angetragen wurde? Ein Seminar Philipp Hammermeisters zu von Düffel an der Leuphana soll „zu so etwas wie einem online organisierten literarischen Salon“ werden. Wenn von Düffel im Juni als zwölfter Heine-Gastdozent nach Lüneburg kommen sollte, dann vor allem deswegen, weil er „wie kaum ein anderer zeitgenössischer Schriftsteller das Schreiben in all seinen Facetten ausleuchtet. Er beherrscht den klassischen Drei-Generationen-Roman genauso wie den Essay, arbeitet als Dramaturg und Übersetzer, kann sowohl Krimi als auch Hörspiel und weiß dies alles als erfahrener Poetik-Dozent an junge Menschen zu vermitteln.“ So heißt es in der Seminar-Beschreibung. Am 25. Juni soll von Düffel öffentlich in der Leuphana aus „Der brennende See“ lesen. Ob es klappt? Das werde schwierig, meint Kerstin Fischer. „Da sich die Universität auf ein komplett digitales Semester eingestellt hat, müsste die Lesung dann wohl in der Stadt sein.“ Dabei gibt es für eine Lesung mit Zuhörer-Abstand wenig so geeignete Räume wie ein großer Hörsaal.

Letzter Punkt: der Ehrengast des Heine-Hauses. Der ist rechtschaffen vom Literarischen Beirat ausgeguckt, aber der Beschluss noch nicht amtlich und das Willkommen, wie kann es anders sein, noch ohne Termin.

Von Hans-Martin Koch