Samstag , 24. Oktober 2020
Foto t&w Tilman Pörzgen

Legenden der Leichtigkeit

Lüneburg. Die Platte ist raus, das Release-Konzert in Hamburgs Prinzenbar ausverkauft. Es geht gut los für Tilman Pörzgen. So hätte es sein können. Ist es aber nicht. Eins stimmt: Die Platte ist raus, sechsmal Deutschpop, eine EP: „Legenden der Leichtigkeit“. Leicht aber ist es alles nicht in diesen Tagen. Corona verhinderte den geplanten großen Aufschlag mit dem Release-Konzert. Tilman Pörzgen hat nun ungeplant Zeit für Freundin Lina, für ihre gemeinsame Hündin Ilvie, für neue Songs, fürs Laufen, für Computerspiele und Gespräche mit neugierigen Journalisten.

Am Anfang war das theater im e.novum

Tilman Pörzgen wusste früh, wohin er wollte: auf die Bühne. Der Weg hinauf begann für den heute 26-jährigen gebürtigen Lüneburger im theater im e.novum. Vor elf Jahren. Eine gute Zeit. Dort im Kinder-/Jugendtheater am Munstermannskamp zweimal ums Eck wurde Pörzgen ganz klassisch von einem Talentscout entdeckt. Bald ging es für Schlag auf Schlag bzw. Rolle um Rolle, Dreh um Dreh und mittlerweile auch Song um Song. Hier eine kleine Theaterarbeit, da ein Werbespot, und dann kam 2015 die Hauptrolle im Kinofilm „Abschussfahrt“. Ein Jahr später drehte die Karriere noch schneller. Pörzgen spielte im Kinohit „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“. Bibi, das war Lina Larissa Strahl, und bald tratschte es aus allen virtuellen und gedruckten Klatschspalten: Lina und Tilman, ein Paar.

Lina Larissa Strahl ist nicht nur im Film, sondern kurz als Lina auch mit Popsongs ein Star, ein Teenie-Star. Sie gewann bei KiKA-„Dein Song“, sang im Studio von Peter Hoffmann in Vögelsen. Dort entstand Linas Album „Official“, Tilman sang bei zwei Liedern mit. So kam eines zum anderen und jetzt kam Pörzgens zweite EP mit schnörkelfreiem Mainstream-Pop.

Als er im Vorprogramm von Lina vor großem Publikum auftrat, war endgültig klar, dass er die Kategorie Mädchenschwarm ausfüllt, auch wenn er mit dem Wort nicht so ganz viel anfangen kann. Wichtiger ist ihm die Erkenntnis: „Ich merkte, ich will mehr machen.“. Er hat mit David Bonk, der lange mit Peter Hoffmann arbeitete, seine eigenen Songs aufgenommen, Musiker für Live-Auftritte gefunden. Er ist für Sommerfestivals gebucht, „wenn sie denn stattfinden.“ Sicherer scheint die erste eigene Headliner-Tour, die am 1. Oktober in Frankfurt startet, im Ponyhof. Das klingt zwar nach Bibi/Tina-Reiterhof, ist aber ein Club in Sachsenhausen. Die Tour endet am 17. Oktober im Hamburger Stage Club mit einem „special guest“. Wer das wohl ist? Auf Instagram singen sie gerade was…

Kein Problem mit Fake-Verletzungen

Nochmal: Mädchenschwarm? „Ach, ich sehe mich ja nicht nur in der Sparte, aber ich bin sehr dankbar, dass ich Teenies als Fans habe“, sagt der Mann, der ja auch noch Assistenzarzt ist und dann Tom Zondek heißt. Den weißen Kittel trägt er in der TV-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. In der Rolle hat er nicht nur das Schauspielern weiter perfektioniert, sondern auch was fürs Leben gelernt. „Ich kann ja eigentlich kein Blut sehen“, sagt der TV-Doktor. Die Dreharbeiten seien wie eine Therapie: „Jetzt habe ich kein Problem mehr mit Fake-Verletzungen.“

Aber auch für die jungen Ärzte herrscht Drehpause, vorerst bis Mai. Zeit für anderes: Aktuell liest Tilman Pörzgen „Erebos“ von Ursula Poznanski, spielt „Anno 1800“ auf dem Rechner, hofft aber Tag um Tag stärker auf die Rückkehr zur Normalität, wie immer die aussehen wird. Mehr Musik will Tilman Pörzgen im Sommer herausbringen, jetzt läuft gerade das zweite Video zur EP, die bei allen gängigen Kanälen zu streamen ist. Der Text des jüngsten Videos bezieht sich nicht auf den Stillstand, aber der Titel passt: „Es geht immer weiter“.

Von Hans-Martin Koch