Donnerstag , 13. August 2020
Nele Palmtag (links) und Jörg Bernardy wenden sich nun per Video an ihr Publikum. Marie Louise Blankemeyer koordiniert das Programm. Fotos: t&w

Philosophieren mit Kindern

Lüneburg. Gerade sollte es richtig losgehen: Gleich zwei neue Reihen hatte Marie Louise Blankemeyer vom Jungen Literaturbüro Lüneburg am Start: Eine Sachbuchreihe für Schülerinnen und Schüler zum Thema Natur und Umwelt und eine Reihe für die ganz Kleinen in den Kitas. Doch dann kam Corona. Jetzt ist das Literaturbüro im Heinrich-Heine-Haus geschlossen, alle Veranstaltungen, auch die des Jungen Literaturbüros, mussten vorerst bis Ende April abgesagt werden. So sortiert Marie Louise Blankemeyer den Terminkalender neu und hängt sich ans Telefon. Es ist ja alles nur aufgeschoben.

Videos aus dem Homeoffice

Um die Durststrecke für die Lüneburger Schülerinnen und Schüler sowie für die Autorinnen und Autoren zu überbrücken, hat das Junge Literaturbüro einige der ursprünglich eingeladenen Gäste gebeten, aus ihrem Homeoffice Videos zu ihren Büchern zu drehen. Es gibt Filme für verschiedene Altersgruppen. Auf einem neu eingerichteten YouTube-Kanal werden die Videos nun nach und nach freigeschaltet.

Am Donnerstag ist Antje von Stemm online gegangen, es folgt Jörg Bernardy (21. April), der unter anderem mit dem Projekt „Gedankenflieger – Philosophieren mit Kindern“ im Mai nach Lüneburg gekommen wäre. Im Zusammenhang mit seinem Video werden zwei Exemplare seines Buches „Philosophische Gedankensprünge“ verlost, das gerade als Taschenbuch erschienen ist. Am 23. April meldet sich dann Dita Zipfel zu Wort. Mit dabei sind auch Finn-Ole Heinrich, Jutta Nymphius, Nele Palmtag und Rieke Patwardhan. Die Aktion ist als Anregung für die Kinder und Jugendlichen gedacht, um ihre literaturbezogene Kreativität und Neugier wachzuhalten.

„Jedes fünfte Kind kann nicht sinnentnehmend lesen“

„Für viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller bedeutet die Corona-Krise ein gefühlter Absturz von Hundert auf Null“, sagt Marie Louise Blankemeyer, denn viele Kinder- und Jugendbuch-Autoren leben vor allem von Veranstaltungen, weniger von den Buchverkäufen. Immerhin 32 Termine hatte die Kinder- und Jugendabteilung des von Kerstin Fischer geleiteten Literaturbüros im vergangenen Jahr gemanagt, dieses Jahr sollten es deutlich mehr werden.

„Jedes fünfte Kind kann nicht sinnentnehmend lesen“, sagt Blankemeyer. Also gilt: Je früher, desto besser, am Anfang mit dem Bilderbuch. Auf ihrer To-Do-Liste stehen längerfristige Paten-Projekte mit Schulen, regelmäßige Kontakte mit Pädagogen, außerdem ist das Literaturbüro künftig Mitveranstalter der Jugendbuchwoche im Glockenhaus. Wenn Corona durch ist, wird auch die Natur-Reihe weitergeführt, die vielversprechend mit der Einladung eines Wolfsberaters und einer thematisch entsprechenden Lesung begonnen hatte.

Zwischen Dänemark und Deutschland

Marie Louise Blankemeyer, geboren im dänischen Aarhus, in Dänemark, aufgewachsen in Mainz, studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg, arbeitete in einer Theateragentur und dem Goethe-Institut in Kopenhagen. Für ein Interview-Buch über deutsch-dänische Kulturunterschiede brachte sie so unterschiedliche Menschen wie die Sängerin Gitte Haenning und den Kicker Ebbe Sand unter einen Hut. Eine weitere Station war die (deutschsprachige) St.-Petri-Kirchengemeinde in der dänischen Hauptstadt. Dass die nächste Station, die Evangelische Familienbildungsstätte Lüneburg, wieder zurück an den Studienort führte, war eher Zufall.

Heute arbeitet Marie Louise Blankemeyer in der Öffentlichkeits-Abteilung des Theaters und hat seit Mitte letzten Jahres eine halbe Stelle im Literaturbüro. Ihre lebenslange Affinität zur Literatur überträgt Blankemeyer auch auf ihre beiden Kinder, die schon mal als Probeleser eingesetzt werden.

Zugriff auf die Videos gibt es über YouTube (Junges Literaturbüro Lüneburg), über den neuen Instagram-Kanal des Jungen Literaturbüros (junges_litbuero_lg) oder über die Facebook-Seite des Literaturbüros Lüneburg. Kontakt: Tel. 04131-3093687.

Von Frank Füllgrabe