Moritz Constantin, Songwriter, Gitarrist und Schlagzeuger.(Foto: t&w)

Die Leute hängen mehr an den Geräten

Lüneburg. Zu den häufigsten Floskeln dieser Wochen zählt „Eigentlich wollte...“. Eigentlich nämlich wollte Moritz Constantin auf Tour, hier ein Festival, da ein Support-Auftritt, auch mal das Café Klatsch, mal das Schallander. „Fällt alles flach“, sagt der Lüneburger Musiker. Aber in all dem Stillstand hat der 24-Jährige als One-Man-Band eine Sache in Eigenregie ins Laufen gebracht: „Coffee Stains“, seine erste Solo-EP.

Constantin ist seit einigen Jahren in der Szene unterwegs. Als Mitgründer, Sänger, Gitarrist, Schlagzeuger und Songschreiber ist er der prägende Mann bei Kota Connection, einer der jungen Bands in der Stadt, die sich schnell einen guten Ruf erspielte. 2014 gründete sich die Band, sie spielt eine Art mehrstimmigen Indie-Pop, beeinflusst von legendären Bands zwischen Beatles und Oasis.

Kota Connection gewann Wettbewerbe, bereiste den Norden, nahm Alben auf und dann platzte die Band – Abitur, Studium, neue Wohnorte, neue Connections. Für Konzerte kommen die Musiker noch mal zusammen, „aber Neues machen wir nicht mehr“, sagt Kota-Kopf Constantin.

"Noch am unteren Ende der Nahrungskette"

Er blieb hier, studiert an der Leuphana Kulturwissenschaften, schreibt die Kota-Geschichte fort, nun im Alleingang – „komplett von A bis Zett, ich muss nichts mehr diskutieren, das ist befreiend“. Einen Release von vorne bis hinten selber zu machen, das sei immer sein Jugendtraum gewesen, schreibt er auf Facebook – und erfüllt sich den Traum ein zweites Mal. Ein weiteres Projekt reift. Stilistisch bewegt er sich auf den Spuren, die er mit der Band legte. Die fünf Songs auf „Coffee Stains“ haben viel Atmosphäre, sind eingängig, biedern sich nirgendwo an.

Constantins Musik läuft auf allen gängigen Kanälen von Spotify bis SoundCloud. Er sei noch am „unteren Ende der Nahrungskette“, sagt Constantin und lacht: „Ich hab‘ mit dem Stream bisher 2,28 Euro verdient.“ Von nun geht’s bergauf, wohin sonst? Constantin beschreibt seinen Weg als „Lerntagebuch“, und er hat Lust auf viele Kapitel.

Studium, die eigene Musik, da ist noch mehr. Moritz Constantin trommelt im Theater, beim Musical „Non(n)sens“, bei Alexander Eisseles Udo-Jürgens-Show – doch da läuft vorerst auch nichts. Aber Radio ZuSa läuft. Constantin moderierte, ist mittlerweile der Mann für die lokalen Nachrichten. Auch ein Job, den er nahezu im Alleingang macht. Für Live-Auftritte, wenn es sie denn wieder gibt, setzt er aber nicht nur auf Sologigs, er hat eine Band zusammen. Es sind eigentlich keine guten Zeiten für Musiker. „Trotzdem, diese Zeit ist für die Veröffentlichung meiner EP gar nicht schlecht“, sagt Constantin, „es gibt keine Gigs, die Leute hängen mehr an den Geräten.“ Eigentlich sollten seine Einnahmen von bisher 2,28 Euro dann schnell steigen.

Von Hans-Martin Koch