Montag , 21. September 2020
Oma Sanne meldet sich zurzeit jeden Morgen mit neuen Gedanken zu Wort. (Foto: Brüggemann)

Oma Sanne schnackt weiter

Bostelwiebeck. Okay, Oma Sanne gibt es nicht. Aber als sie zur Welt kam, war gerade der Erste Weltkrieg vorüber. Jetzt zählt sie hundert Jahre, ist noch immer da, geht am Stock, aber ist frisch im Kopf. Okay, sie trägt Bart. Sie gibt es ja nicht bzw. sie ist ein Kerl. Der Schauspieler und Regisseur Thomas Matschoß ist ihr Medium. Oma Sanne alias Matschoß hat eine Menge Theater gespielt, und sie bringt immer wieder Menschen ins Gespräch – hundert Jahre hin, hundert Jahre her. Sie ist mit Kopftuch und Kittel das Gesicht des Jahrmarkttheaters Bostelwiebeck und hält auch in Corona-Zeiten nicht den Mund. Jeden Morgen schnackt sie 60 Sekunden auf Instagram, Facebook und der Homepage des Jahrmarkttheaters. „Man sieht sich“, sagt sie am Ende jeden Spots. Wir haben Oma Sannes Medium gebeten, ihr ein paar Fragen zu stellen.

Was treibt Oma Sanne zum täglichen Schnack?

Oma Sanne: Schnacken gehört für mich zum Leben wie Atmen und Arbeiten. Und weil man sich ja gerade nicht zum Schnacken treffen kann, weder im Theater noch sonst wo, schnacke ich halt im Video. Und freue mich über die vielen Rückmeldungen!

Kennt sie ein Hausmittel gegen das Alleinsein?

Nee. Obwohl, vielleicht hilft erstmal sich klar machen, dass man halt allein ist. Oft ist es dann schon nur noch halb so schlimm. Ansonsten kann man mit Handys ja auch telefonieren.

Meint sie, dass die Welt nach der Krise eine andere sein wird?

Ich kann doch nicht in die Zukunft gucken! Außerdem verändert sich die Welt immer. Jeden Moment. Das ist ja das Spannende am Leben. Aber ich hoffe natürlich, dass wir aus der Krise lernen. Vielleicht ein bisschen mehr über den eigenen Tellerrand zu schau‘n und sich selbst nicht als den Mittelpunkt der Welt zu nehmen. Ja, das wär schön.

Was macht Oma Sanne Mut?

Lächeln. Sich bewegen. Und arbeiten. Am besten alles drei gleichzeitig.

Für das Jahrmarkttheater fällt die Corona-Krise in die spielfreie Zeit. „Aber wann dürfen wir uns uns wieder zum Theater versammeln? Was ist mit dem Sommer?“ fragen sich die Bostelwiebecker Theatermacher Anja Imig und Thomas Matschoß. In diesem Sommer wollen sie ihr Open-Air-Theater zum ersten Mal nicht auf Maria Krewets Hof in Wettenbostel spielen, sondern am Stammsitz in Bostelwiebeck. Geplant ist in Anlehnung an Tschechow ein von fünf Frauen gespieltes Stück, in dem das Haus seine Geschichten erzählt und zugleich die der Bewohner aus den letzten 120 Jahren. Premiere: 30. Juli um 19.30 Uhr.

Von Hans-Martin Koch