Sonntag , 25. Oktober 2020
Stefanie Kleefeld hat Grund zur Freude und zur Sorge: Die Halle für Kunst erhält einen Preis und verliert ihr Domizil. (Foto: t&w)

Ein maßgeblicher Ort

Lüneburg. Sechsmal war sie nominiert, nun hat die Halle für Kunst die wichtigste Auszeichnung für Kunstvereine in Deutschland bekommen. Eine unabhängige Jury erkor den Lüneburger Verein für den mit 8000 Euro dotierten „ADKV-Art Cologne Preis für Kunstvereine“. Die Halle für Kunst setzte sich gegen weitere zwölf nominierte Kunstvereine durch.

ADKV steht für die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine. Der Preis wird seit 2006 in Kooperation mit der Art Cologne vergeben, der traditionsreichsten Kunstmesse in Deutschland. In der Begründung für die Preisvergabe heißt es: „Die 1995 gegründete Halle für Kunst Lüneburg hat sich in beständiger Weise mit einem hochkarätigen Programm aus Einzel- und Gruppenausstellungen zu einem maßgeblichen Ort für zeitgenössische Kunst entwickelt. In ihrer Ausrichtung verhandelt die Halle für Kunst, die seit 2012 von Stefanie Kleefeld geleitet wird, gleichfalls diskursiv-theoretische Entwürfe als auch aktuelle gesellschaftspolitische und ökonomische Fragen … sowie interdisziplinäre Veranstaltungsreihen.“

„Preis kommt zum denkbar besten Zeitpunkt“

Verwiesen wird zudem auf die Vermittlungsangebote, Kooperationen und die Vernetzung in die Stadt sowie in den nationalen und internationalen Kunstkontext. Dann wird die Begründung konkret: Die Jury unterstützt die Halle für Kunst auch, „damit sie ihre wertvolle Arbeit trotz der Kündigung ihres langjährigen Standorts zum Jahresende und der damit verbundenen Suche nach neuen finanzierbaren Räumlichkeiten fortführen kann.“

Zur Jury gehören Sven Beckstette (Hamburger Bahnhof, Berlin), Sunah Choi (Künstlerin, Berlin), Caroline Käding (Kunsthistorikerin, Braunschweig), Kito Nedo (Kunstkritiker, Berlin) und Simone Neuenschwandner (Kuratorin, Basel). Zu den Kandidaten 2020 zählten unter anderem das Haus am Lützowplatz (Berlin), die Neue Gesellschaft für bildende Kunst (Berlin) und der Kunstverein für Mecklenburg & Vorpommern (Schwerin), der mit einer „lobenden Erwähnung“ bedacht wurde.

„Wir freuen uns riesig“, sagt Stefanie Kleefeld von der Halle für Kunst, „zumal der Preis zum denkbar besten Zeitpunkt kommt und hoffentlich dazu führt, dass wir tatsächlich Unterstützung seitens der Stadt bei der Suche nach neuen Räumen und bei der Frage nach ihrer Finanzierung erhalten.“ Wie berichtet möchte die seit 15 Jahren in der Reichenbachstraße befindliche Halle für Kunst auch künftig zentrumsnah aktiv bleiben. Vorläufig ist das Programm abgesagt. Im April starten sollte eine Gruppenausstellung unter dem Titel „Wagnis der Öffentlichkeit“. Sie ist verschoben, könnte im Mai beginnen, hofft Stefanie Kleefeld.

Von Hans-Martin Koch