Montag , 5. Dezember 2022
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Musik für die Kleinsten bieten Anja Vesper und ihre Tochter Fenia jetzt, solange keine Kurse stattfinden dürfen, per Video an. Foto: privat

Sie lassen die Klanghölzer tanzen

Wichmannsburg. „Kalle hat schon mehrmals mitgesungen. Wir sitzen vorm Fernseher und klatschen mit dir“ oder „wir sitzen den ganzen Tag im Garten, und die Klanghölzer können gar nicht mehr still sein“. Das sind nur zwei von vielen begeisterten Reaktionen auf die Youtube-Videos, die Anja Vesper und ihre Familie unter singmitanja-kinderlieder ins Netz stellen. Auch auf Instagram werden Beiträge gepostet, dort lautet die Adresse singmitanja_kinderlieder. Die Musikpädagogin unterrichtet sonst die Kleinsten, schon Babys ab sechs Monaten sind bei den Eltern-Kind-Kursen des Musikgartens dabei. Da diese Stunden coronabedingt nun ausfallen müssen, ist das Internet eine Möglichkeit, „mit meinen Kindern/Gruppen in Kontakt zu bleiben und ihnen etwas an die Hand zu geben, damit sie zu Hause aktiv werden können.“

„Kinder lieben es, zu singen und zu musizieren“, weiß die 54-Jährige, die selbst zwei Jungs und zwei Mädchen großgezogen hat. Mittlerweile sind diese erwachsen, aber durch die Corona-Krise gerade im Elternhaus in Wichmannsburg versammelt. „Wir haben das große Glück, nicht allein sein zu müssen, sondern zusammen sein können“, resümiert die „Chefin“ der musikalischen Familie. Alle haben einen musikalischen Background, spielen Instrumente wie Horn und Klavier, sind auch als „Hornisten-Familie“ bekannt.

Tochter Swantje hat die Passion sogar zum Beruf gemacht, ist Hornistin bei den Bamberger Symphonikern, aber die können ja zurzeit auch nicht proben. Studentin Fenia, sammelt bereits als Musikpädagogin Erfahrung und Finn, der Jüngste, studiert ebenfalls noch – Musik, was sonst. Bruder Söhnke ist der einzige, der momentan nicht frei hat, sondern im Homeoffice arbeitet, denn der studierte Medienwirt verdient seine Brötchen bei einem TV-Sender in Köln.

Puppe Pelle als Wiedererkennungsmerkmal

Von ihm kam auch der Impuls, via Internet Anregungen zur musikalischen Beschäftigung zu geben und Kontakt zu den Kindern zu halten. „Das hat mich natürlich erst etwas Überwindung gekostet, zumal es nicht hundertprozentig perfekt ist und die Stimme einer über 50-Jährigen nicht mehr ganz so frisch klingt wie die einer Zwanzigjährigen“, betont Anja Vesper. „Aber wir haben großen Spaß beim Aufnehmen, und die Resonanz bestärkt uns zum Weitermachen.“

Ein Wiedererkennungsmerkmal für die Musikgartenkinder ist Pelle: „Das ist eine Puppe, die sitzt auf meinem Schoß und macht vor, was die Kinder nachmachen können, nach dem Motto ,zeigen statt viel erklären‘“. Finn stellt zudem Fotos von Pelle auf Instagram ein und lässt ihn erzählen.

„Kinder lieben es, zu singen und zu musizieren." - Anja Vesper

„Ich war schnell begeistert, denn so kann ich meine Familien erreichen, kann den Kindern trotzdem etwas geben, obwohl ich nicht direkt mit ihnen arbeiten kann“, erläutert Anja Vesper. Und die Eltern seien superdankbar, überhäuften sie mit lieben Mails und WhatApps, teils mit Fotos oder Videos, die zeigen, wie die Kinder mitklatschen etc.. „Das ist total schön, dass dieses Engagement so geschätzt wird.“ Das erste Video hat schon weit mehr als 2000 Aufrufe. Das fröhlich stimmende Lied „Immer wieder kommt ein neuer Frühling“ steht dabei im Mittelpunkt.

Und solange die Schulen geschlossen sind, wolle sie weitere Videos produzieren. „Lieder und Ideen habe ich genug, denn das gehört ja zu meinem Beruf. Solange es meine Zeit zulässt, mache ich weiter. Vielleicht entwickel ich sogar soviel Spaß daran, dass ich dabei bleibe, mal sehen.“ Auch Ehemann Andreas hat Spaß an der Produktion. Der Musikschullehrer wirkt im Hintergrund mit, spielt mal die Rassel und will sich vielleicht auch als Hornist und Trompeter einbringen. Kalle und viele andere Kinder können sich also auf weitere musikalische Videos und Tipps für die Freizeit freuen.

Von Dietlinde Terjung