Montag , 28. September 2020
Fro Pieper (Beate Meyer, 2.v.l.) übernimmt die Vernehmung (v.l.): Herr Henning (Georg Becker), Ehefrau Ingeborg (Anne Schoolmann) und Kommissar Brockmann (Johannes Möddel). Foto: Theater

Fro Pieper ermittelt

Lüneburg. Das unglaublich echt wirkende Gewitter, mit dem das Stück „Fro Pieper lävt gefährlich“ im Studio des Theaters beginnt, verheißt nichts Gutes und bringt Erna Pieper ins Rotieren, denn sie hat nicht nur mit Strom- und Handyausfall zu kämpfen. Per Taschenlampe tastet sich die Reinemachefrau in der Firma Henning & Söhne zum Telefon vor und ruft im Kommissariat an: „Ik wull eenen Mord anmelln“, eine Wortwahl, die für erste Lacher im Publikum sorgt, denn wer meldet schon einen Mord an? Das Gewitter macht auch während des Telefonats keine Pause, und im Lichte aufzuckender Blitze entfährt Erna ein spitzer Schrei, da sie ihren Chef im Sessel hängend sieht – tot.

Die Verwirrung beginnt, denn die Leiche, die sie melden wollte, lag rücklings im Büro. Doch als die Polizei eintrifft, sind die vermeintlichen Leichen „wech“. „Se denkt woll, ik heff witte Müüs sehn, wat?“ – das will die plietsche Erna nicht auf sich sitzen lassen. Sie weiß genau, was sie gesehen hat, und als ihr Chef höchstpersönlich und „quietschfidel“ plötzlich im Büro auftaucht, ist sie sich sicher, dass irgendetwas nicht stimmt und ermittelt auf ihre Art weiter.

Kriminalkomöde von Jack Popplewell

Herrlich, mit welcher Mimik und Hingabe Beate Meyer die Rolle der Fro Pieper spielt und den griesgrämigen Kommissar Willi Brockmann (Johannes Möddel) nicht nur auf die Zinne, sondern auch in Verlegenheit bringt. Denn sie erkennt sogleich, dass die beiden mal zusammen die Schulbank gedrückt haben – und mehr. Der Kommissar, der unter einem „bösen Schnööv“ leidet, ist pikiert, verbittet sich, geduzt zu werden, jedenfalls, wenn Leute dabei sind. Das vergisst Erna natürlich ab und zu. Schmunzeln verursacht auch Reemt Allerding als Polizist Schulz, wenn er unterwürfig die Befehle seines Chefs Brockmann ausführt oder beim Flirten als Spätzünder entlarvt wird.

Die Kriminalkomödie des britischen Dramatikers Jack Popplewell, die in den 60er-Jahren erfolgreich für perfekte Unterhaltung sorgte, ist Basis für diverse deutsche Fassungen. Eine plattdeutsche Version hat nun das Ensemble Niederdeutsche Bühne Sülfmeister mit Regisseur André Beyer einstudiert. Der gebürtige Dresdner hat zwar „keine Ahnung in Sachen Plattdeutsch“, wie er nach dem letzten Vorhang gesteht, aber es habe ihm dennoch großen Spaß gemacht. Dass dieser Auftrag viel Freude machen wird, daran hatte er keinen Zweifel, denn das engagierte Ensemble hat er schon 2005 kennengelernt, damals war es „O sole mio“, das sie probten.

Zwei Stunden Spaß und Spannung

Die Sympathien bestehen auf beiden Seiten, am liebsten würden die Hobbyschauspieler weiter mit ihm zusammenarbeiten. Im November starteten die Proben zu dem aktuellen Stück, zwei bis drei mal pro Woche. Beyer, als Schauspieler immer mal wieder am Lüneburger Theater zu erleben, hat sich mit der Komödie nur langsam angefreundet. Als er aber erfuhr, dass Christian Wölffer einst die deutsche Übersetzung schrieb und im Theater am Kurfürstendamm inszenierte, wusste Beyer, „da muss etwas dran sein.“ Also machte er sich an die Überarbeitung. Herausgekommen ist eine auf zwei Stunden reduzierte Komödie, die auf Spannung und Spaß setzt.

Und dafür sorgen nicht nur die Protagonisten, sondern auch Georg Becker als (un-)geliebter Chef, Mareike Allerding als schäkernde Tippse Erika, Regina Stahn als loyale Chefsekretärin Ulla Gerdes und Mathias Müller – „Frischling“ im Ensemble – als durchtriebener Robert Westphal. Etwas befremdlich, dass die Rolle der vernachlässigten Chef-Ehefrau (Anne Schoolmann) auf Hochdeutsch angelegt ist, was aber Zuschauern, die weniger fest im Sattel des Plattdeutschen sitzen, vielleicht ganz recht ist.

Warum nun Fro Pieper unter Polizeischutz gestellt wird, soll hier nicht verraten werden, wohl aber, dass zum Happyend der Chef die Putzfee zur stillen Teilhaberin macht, wobei Brockmann einwirft: „Still!? Dat glückt em nie!“ Fro Pieper hat also alle Gefahren überstanden. Und wenn sie nicht gestorben ist, ermittelt sie noch heute – und wenn‘s nur um Gerüchte geht, denn sie erfährt alles, das ist ja ihr Beruf, wie sie meint.

Termine für den mörderischen Spaß: bis 5. April freitags (20 Uhr), sonnabends und sonntags (jeweils 16 Uhr).

Von Dietlinde Terjung