Samstag , 19. September 2020
Stefanie Kleefeld in der Halle für Kunst. Zum Jahresende ist hier Schluss. (Foto: t&w)

Es geht tatsächlich um das Überleben

Lüneburg. Die Halle für Kunst meldet eine schlechte und eine gute Nachricht. Die gute: Zum sechsten Mal ist der Verein mit Sitz in der Reichenbachstraße für den Kunstvereins-Preis der Art Cologne nominiert. Die schlechte Nachricht aber ist die, dass die Halle für Kunst ihren Sitz, ihr Zuhause zum Jahresende los ist – nach 15 Jahren.

Es ist eigentlich schon die zweite schlechte Nachricht, die den Kunstverein aktuell betrifft. „Wir haben eine saftige Mieterhöhung bekommen, auf 1200 Euro“, sagt Stefanie Kleefeld. Sie leitet die Halle für Kunst seit 2012. Nun wurden dem Trägerverein die 110 Quadratmeter großen Räume im Hinterhof der Reichenbachstraße 2 gekündigt. Sie sollen künftig gewerblich genutzt werden.

Die Halle für Kunst wurde 1995 aus dem universitären Umfeld heraus gegründet. Die Nähe zwischen Halle und Universität besteht nach wie vor. Erster Vorsitzender des Trägervereins ist Dr. phil. Ulf Wuggenig, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften der Leuphana Universität. Als erster fester, ins Städtische reichender Ausstellungsort der Halle für Kunst diente eine ehemalige Bäckerei in der Feldstraße. Die ersten Leiter studierten noch: Heike Munda und Bernd Milla.

Weniger finanzkräftige Institutionen aus Innenstädten vertreiben?

Die Arbeit der Halle für Kunst fand schnell überregional Anerkennung. 1999 wurde der Verein für sein engagiertes und mutiges Ausstellungsprogramm mit dem Jürgen-Ponto-Preis ausgezeichnet. Die Ausrichtung auf junge, avantgardistische Kunst der Gegenwart prägt das Programm der Einrichtung nach wie vor.

Stefanie Kleefeld sieht in der Kündigung eine generelle Politik, „da auf diese Weise – wie so oft – weniger finanzkräftige Institutionen aus den Innenstädten vertrieben werden.“ Ohnehin habe der Verein schon immer unter finanziell und personell äußerst prekären Bedingungen gelitten, dabei dennoch sehr erfolgreiche und stark beachtete Arbeit geleistet, so sagt es die Leiterin und Kuratorin. Kleefeld: „Im Moment kämpfen wir aber tatsächlich um das Überleben dieser Institution.“ Gesucht werden neue Räume, zentrumsnah, und damit einhergehend Fördermöglichkeiten, um gegebenenfalls höhere Mietzahlungen verlässlich leisten zu können.

Der Betrieb geht weiter

Auf ein Wahrwerden der eingangs genannten guten Nachricht hofft die Halle für Kunst kurzfristig. Der mit 8000 Euro dotierte Kunstvereins-Preis wird Mitte April bei der Art Cologne vergeben. Allerdings liebäugeln zehn weitere Einrichtungen zwischen Hamburg und München, Schwerin und Zwickau ebenfalls mit der Auszeichnung, die unter anderem ein innovatives Ausstellungs- und Kunstvermittlungsprogramm würdigen soll.

Der Betrieb geht weiter. Im April startet eine mit einer Filmreihe begleitete Gruppenausstellung unter dem Titel „Wagnis der Öffentlichkeit“. Im Juli/August steht die Berliner Bildhauerin Kitty Kraus (Juli/August 2020) im Mittelpunkt. Sie war schon an Gruppenausstellungen der Halle für Kunst beteiligt. Ab September gestaltet die New Yorker Künstlerin Bernadette van Huy eine Einzelausstellung. Und dass es im November/Dezember, also zum Finale, um das Thema „Humor“ geht, das hat angesichts der Kündigung etwas Galgenhaftes.

Von Hans-Martin Koch