Montag , 28. September 2020
Erna Pieper (Beate Meyer) redet auf Kommissar Brockmann (Johannes Möddel) ein. (Foto: privat)

Die plietsche Putzfrau und die lebende Leiche

Lüneburg. Erna Pieper will – wie jeden Tag – bei ihrem Chef reinemachen. Diesmal aber ist etwas anders, denn der Herr Henning sitzt so seltsam leblos in seinem Büro. Kein Wunder, er ist tot. Einen großen Schock erleidet die Putzfrau nicht, den Henning konnte sie noch nie leiden. Jetzt aber wird er ihr posthum noch unsympathischer, denn als Erna Pieper die Polizei verständigt, ist die Leiche verschwunden. Und weil ihr Kommissar Brockmann kein Wort glaubt, ermittelt sie auf eigene Faust. Ab sofort gilt: „Fro Pieper lävt gefährlich“.

Beate Meyer in der Titelrolle

So heißt die Kriminalkomödie, mit der das Ensemble Niederdeutsche Bühne Sülfmeister am Freitag, 6. März, im Studio des Theaters Lüneburg zur Premiere auf die Bühne geht. Der englische Dramatiker Jack Popplewell hatte in den Sechziger Jahren mit „Busybody“ seinen größten Erfolg. Es gibt mehrere hochdeutsche Fassungen für deutsche Bühnen unter dem Titel „Keine Leiche ohne Lilly“, die bekannteste stammt von dem Berliner Schauspieler und Regisseur Christian Wölffer – für Grethe Weiser in der Titelrolle. Die spielt nun Beate Meyer in der plattdüütschen Ausgabe. Am Ohnsorg Theater war natürlich Heidi Kabel dafür zuständig. Die niederdeutsche Version schrieb Hans-Jürgen Ott.

„Ich hatte Heidi Kabel in dem Stück gesehen“, sagt Beate Meyer, „und mir die Rolle zu meinem 30jährigen Bühnenjubiläum gewünscht.“ Das wäre 2017 gewesen, es klappte zunächst nicht, nun aber doch. „Sabbelig und plietsch“ sei ihre Erna, so Beate Meyer, nicht auf den Mund gefallen, couragiert, „ein bisschen einsam vielleicht, deshalb quatscht sie ja auch mit allen möglichen Menschen“.

Dem Kommissar immer einen Schritt voraus

Jedenfalls ist sie dem Kommissar Brockmann (Johannes Möddel) immer einen Schritt voraus, das erinnert ein wenig an Margret Rutherford alias Miss Marple und den immer leicht genervten Oberinspektor Craddock. Was Erna Pieper nicht weiß, das Publikum aber im Programmheft lesen kann: Georg Becker spielt den Richard Henning, der also so ganz tot auch nicht sein kann, und tatsächlich sehr lebendig wieder auftaucht. Aber wen hat Erna denn da als Leiche gesehen?

Es geht ein wenig unübersichtlich zu. Dabei hat Regisseur André Beyer das Original ordentlich gestrafft, unnötig lange Dialoge verkürzt und den Krimi von so einigen unlogischen Nebenhandlungen – die den Erfolg der Komödie offensichtlich nie schmälerten – befreit und damit das Ganze auf gut zwei Stunden Spielzeit (Pause inklusive) verdichtet. André Beyer führte bereits 2005 einmal Regie für die Plattdüütschen, für „O sole mio“, dafür lernte Beate Meyer seinerzeit sogar ein paar Brocken Italienisch. „Irgendwie hat ja jede Rolle – auf Platt – ihren Reiz“, sagt Beate Meyer. Besonders in Erinnerung ist ihr „Tratsch in`t Treppenhuus“ von 2008 geblieben, „einfach nur ein Riesenspaß“, und dann, als Herausforderung, zwei ernste Titelrollen: „Marie“ (1997) von August Hinrichs und „Cilli Cohrs“ (2012) von Gorch Fock.

Radionachrichten statt Zeitungs-Spätausgabe

„Fro Pieper“, ursprünglich in den Sechzigern angesiedelt, spielt nun in der heutigen Zeit. Dazu waren einige entsprechende Modifizierungen notwendig. So wurde etwa aus einer Zeitungs- Abendausgabe (wo gibt es so etwas heute noch?) eine späte Radiosendung des NDR, und dafür engagierte André Beyer einen Profi: Hörfunkmoderator André Schünke sprach den notwendigen Text.

Die Premiere am 6. März im T.NT Studio ist ausverkauft. Bis zum 5. April sind weitere 13 Vorstellungen geplant.

Von Frank Füllgrabe