Freitag , 18. September 2020
Autorin Katrin Marquardt führt Kinder in die bunt illustrierte „Gawandawelt“. Fotos: privat

Hinein in die Gawandawelt

Lüneburg/Geesthacht. Eine Drachenprinzessin zur Freundin zu haben, das ist schon etwas Besonderes. Und das sollte es auch sein, als Katrin Marquardt auf der Suc he nach einem Wesen war, das Kinder anspricht und fasziniert. Sie ersann die Rubina, ein Drachenmädchen, das fliegen und Feuer speien kann.

Rubina lebt in einer Welt namens Gawanda, in der Menschen genauso wie Pflanzen, Tiere und Kobolde sich verstehen und achten. Zusammen mit Tristan, einem Menschenjungen, und Torweid, einem riesigen Baum, spielt, tobt und quatscht Rubina so oft es geht. Ja, Torweid kann sprechen, und er ist fast unschlagbar, denn er kann mit seinen vielen beweglichen Ästen fast jeden Ball fangen. Und weil er schon so lange auf der Welt ist, weiß er oft Rat. Bis sich eines Tages etwas ändert…

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Die Autorin ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, und sie weiß aus ihrer Praxis, dass Kinder, die zum Beispiel plötzlich wieder bettnässen oder leicht aggressiv werden, schnell Hilfe brauchen. Oft sind Veränderungen wie ein Umzug, der Tod der Oma oder die Trennung der Eltern Ursache dafür, dass die kleinen Seelen aus dem Tritt geraten. Für diese Fälle hat sie die Drachenei-Methode entwickelt, bei der die Kinder zu Beschützern werden. Und daraus ist schließlich eine Art Märchenbuch geworden: „Gawandawelt – wie Kinder kleinen Drachen helfen“ heißt es und ist im Selbstverlag erschienen.

Die Grafikerin Sandra von Kunhardt hat die Geschichte mit fantasievollen Zeichnungen illustriert. Die Autorin hatte im Vorfeld Szenen ausgesucht, die die Illustratorin umsetzen sollte. Zum Beispiel wie Tristan einen dicken Fisch an der Angel hat und beinah ins Wasser gezogen worden wäre, wenn die Drachenprinzessin ihm nicht zu Hilfe geeilt wäre und pfeilschnell den Fisch von der Angel gerissen hätte. „Die bunten Szenen sind eine Art Suchbilder, enthalten viele Details, sodass den Betrachtern immer wieder etwas anderes auffällt“, sagt Marquardt. Doch die heile Gawandawelt bekommt Risse, das Böse zieht ein und bringt die Freunde auseinander. Aber im Herzen bleiben sie verbunden. Und so steht es außer Frage, dass sie Rubinas Eier aus den Fängen der habgierigen Zwerge retten. Doch wohin mit den empfindlichen Dingern, Rubina selbst ist zu auffällig. Da übernehmen Tristans Kinder die Pflege. Die in den Eiern heranwachsendenDrachen lieben es, wenn ihnen Geschichten erzählt werden. Zum Zeichen, dass sie sich wohlfühlen, werden sie ganz warm, wenn man sie in die Hand nimmt.

Anspruch auf therapeutische Behandlung

„In dem Buch geht es um Werte wie Treue und Freundschaft, aber auch darum, wie schön es ist ein Kind zu sein, zu spielen und auf Entdeckung zu gehen“, erläutert Katrin Marquardt. Es soll Kindern Halt geben und sie stark machen. Der Bedarf ist groß, denn Kinder, die akute Schwierigkeiten haben, fallen meist durch das Gesundheitssystem, sie haben keinen Anspruch auf therapeutische Behandlung, weiß sie zu berichten.

Und da Drachen erst nach 99 Jahren schlüpfen, kommen immer wieder neue Beschützer an die Reihe und in den Genuss, mit einem Drachen befreundet zu sein.

Wenn Eltern oder ErzieherInnen Tipps brauchen, wie sie das Buch noch intensiver nutzen können, gibt es dazu noch ein therapeutisches Begleitheft. Aber allgemein ist das Buch wie ein Vorlesebuch einzusetzen.

Von Dietlinde Terjung