Dienstag , 29. September 2020
Jan van Weyde kommt am Sonnabend ins Kulturforum. Foto: Michel Imhof

Kackastrophen und Kapitalismus-Versteher

Lüneburg. Jan van Weyde bittet um Ruhe: „Große Klappe die Erste!“. Ingo Appelt kommt als „Der Staatstrainer“ daher, das Flachwitz-Duo „Emmi w& Willnowsky“ ist auf „Tour 20“, Chin Meyer führt ein „Leben im Plus“: Comedians aller Couleur gehen im Kulturforum Gut Wienebüttel auf die Bühne. Den Anfang also macht Jan van Weyde am Sonnabend, 8. Februar, 20 Uhr. Die Übersicht für diesen Monat:

„Große Klappe“ dreht sich um den Versuch, mit einem Beruf ,,in den Medien“ eine Familie zu ernähren – als Werbegesicht, auf der Bühne, im Tonstudio oder eben als Papa einer kleinen Tochter. Zwischen Kunst und Kommerz, Kameras und Klamauk, Kinderbettchen und Kackastrophen – seine große Klappe ist van Weydes größte Waffe. Dummerweise hat er sie weiter vererbt.

„Mehr Spaß war nie“, verspricht Ingo Appelt – Sonnabend, 15. Februar, 20 Uhr. Der bekannte TV-Comedian gibt in seinen Bühnen-Soli den Überforderten und Unterbezahlten, den Angestrengten und Ausgebeuteten eine Stimme. Gemeint sind jene, die ohne Videotutorial nicht einmal eine Raviolidose öffnen können, keine gerade Tapetenbahn an die Wand bekommen und sich von ihrem Hund herumkommandieren lassen.

Emmi & Willnowsky kommen am Donnerstag, 20. Februar, um 20 Uhr ins Kulturforum. Christian Willner (alias Valentin Willnowsky) und Christoph Dompke (alias Emmi) zählen zu den erfolgreichsten Comedy-Duos im deutschsprachigen Raum. Sie erzählen ihre Ehegeschichte immer wieder neu: Emmi ist eine erfolglose, alternde Kammersängerin, die ihre wertkonservative Grundhaltung aus der Nachkriegszeit bewahrt hat und sich gerne in Tagträume über einen späten Karriereschub flüchtet. Willnowsky ist ein mittelloser Pianist aus der ehemaligen Sowjetunion, der von Frau Emmi entdeckt und zunächst als Begleitmusiker für ihre Auftritte ausgenutzt wurde. Später heirateten die beiden und lassen ihre Frustration vorzugsweise aneinander aus und machen keinen Hehl aus ihrer gegenseitigen Geringschätzung, können aber trotzdem nicht voneinander lassen.

„Flieg fisch, lies und gesunde!“: Diese reichlich rätselhafte Losung hat Jochen Malmsheimer ausgegeben, Näheres ist am Freitag, 21. Februar, um 20 Uhr zu erfahren. Es geht, so viel sei verraten, um eine Weltverschwörung der Bücher, von der Malmsheimer eher durch Zufall erfahren hat.

Chin Meyer hat sich in der großen Comedy-Szene eine Nische gesichert: Er ist Deutschlands bekanntester Finanzkabarettist, nimmt private und politische Verheißungen und Glücksversprechen ins Visier. Bekannt wurde er in der Figur des satirischen Steuerfahnders „Siegmund von Treiber“. Was passiert, wenn wir dem Unerklärlichen wie einem Hybrid aus Hippie und Kapitalist (Mark Zuckerberg) oder aus Staatschef und Idiot (da kommen viele in Frage) oder gar den Algorithmen die Macht über uns überlassen? In einem vehementen Plädoyer für Pluralismus kämpft Chin Meyer für unsere Demokratie, findet als gewitzter Kapitalismus-Versteher die Absurditäten im System, stochert lustvoll darin herum. Über sein „Leben im Plus“ spricht er am Sonnabend, 22. Februar, um 20 Uhr. lz