Autorin Elke Schneefuß ist nach einer kreativen Pause zurück auf dem Buchmarkt. Foto: Sandra Koenig

Nichts bleibt, wie es war

Lüneburg. Aufs Glück muss man manchmal lange warten. Aber man muss auch etwas dafür tun. Elke Schneefuß, von Haus aus Juristin, hatte vor rund 15 Jahren schrift stellerischen Erfolg mit der Trilogie einer Familie auf Sylt. Dann machte die Lüneburgerin Romanpause. Aber das Schreiben ließ sie nicht los. Sie nahm einen neuen Anlauf, schickte eine Leseprobe an eine Literaturagentin – und hörte nichts.

Fast ein Jahr später aber rief die Lektorin doch an, und nun liegt das Ergebnis auf dem Tisch: „Die Frauen vom Alexanderplatz“. Ein historischer Roman, ein Frauenroman, ein Roman über Aufbruch und Hoffnungen, natürlich auch über die Liebe.

Ende eines verheerenden Krieges

Elke Schneefuß, 1960 geboren, häufige Mitarbeiterin im Kulturteil der Landeszeitung, führt ihre Leser/innen zurück ins Jahr 1918. Runde hundert Jahre zurück hatte sie schon ihre Sylt-Trilogie angesiedelt: „Das rote Kliff“, „Im Wechsel der Gezeiten“, „Ein letzter schöner Sommer“. Diese Zeit interessiere sie nun mal sehr, sagt die Autorin und verweist auf die großen Umbrüche der Ära. Ende eines verheerenden Krieges, die Politik sucht neue Wege, technische Erfindungen bringen den Alltag rasant ins Rollen und Schleudern. Und vor allem sind es wie nach 1945 die Frauen, die Verantwortung übernehmen, tradierte Rolle verlassen müssen und wollen. Über solche Frauen – Fritzi, Vera, Hanna – schreibt Elke Schneefuß.

Dass ihre Trilogie im Norden, dieser Roman in Berlin spielt, hängt damit zusammen, dass Elke Schneefuß so über Orte schreiben kann, die sie kennt. Kiel und Berlin sind Studienorte der 1960 geborenen Lüneburgerin, die tagsüber bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasser, Küsten- und Naturschutz arbeitet.

Authentisches Bild der Zeit

Warum aber die Pause zwischen den Büchern? „Ich hatte das Gefühl, besser werden zu können“, sagt die Autorin. Ein Weg, ihr Handwerkszeug zu polieren, sei gewesen, für Zeitungen zu schreiben. Eine Art Schulung sei das, es brauche auch bei ihrer literarischen Arbeit neben einer guten Geschichte eine „flüssige Schreibe“.

Der Plot der „Frauen vom Alexanderplatz“ geht so: In der Zeit der Novemberrevolution finden der Matrose Benno und die Schneidertochter Vera zusammen. Parallel wird Benno von seiner Jugendliebe Fritzi gesucht. Als dritte Frau kommt die Fabrikantentochter Hanna ins Spiel. Sie will sich in Berlin ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. „Alle drei Frauen müssen mit den Umbrüchen der Zeit umgehen, mit ihrer Berufstätigkeit. Keine kann ihr Leben so fortsetzen, wie sie es einmal geplant hat“, sagt Elke Schneefuß.

Lange hat die Lüneburgerin an den Details gefeilt. „Ich möchte – so gut ich kann – ein authentisches Bild der Zeit abliefern“, erklärt Elke Schneefuß. Sie studierte Bücher, Dokumente, Fotografien, schaute sich bei häufigen Berlin-Besuchen die Spielorte an. Jetzt ist das Buch da, sie ist gespannt aufs Echo. Garantiert hat Elke Schneefuß aber bereits eine Idee im Kopf, wie sie etwas dafür tun kann, damit das Glück des Schreibens sie nicht verlässt.

„Die Frauen vom Alexanderplatz“ erscheint bei Heyne, hat 448 Seiten, kostet 10,99 Euro.

Von Hans-Martin Koch