Michael von Au spielt Dan, dem eine Affäre mit Alex (Alexandra Kamps) schließlich zum Verhängnis wird. Seine Frau Beth (Lisa Karlström) zieht natürlich ihre Konsequenzen. Foto: lahola

Risiko und Nebenwirkungen

Hamburg. Nacht, eine Bar, ein Mann, eine Frau, Alkohol. Es passiert, was passieren soll. Danach wird nichts mehr sein, wie es war. Er will zurück zu Frau und Kind. Sie will ihn. Der Krieg kann beginnen, wie im Kino, so auf der Bühne. „Eine verhängnisvolle Affäre“ entspinnt sich jetzt in den Hamburger Kammerspielen. Regisseur Christian Nickel und ein starkes Darstellerquartett haben einen spannenden Abend geschaffen, einigen Risiken zum Trotz.

Der Stoff ist berühmt. 1987 waren es Michael Douglas und Glenn Close, die sich im Thriller von Adrian Lyne bis auf Haut und Messer reizten. Einen Kinothriller mit seiner Action auf die konzentrierte, kleine Welt der Bühne zu übertragen, das ist riskant. Erotik und Sex auf der Bühne zu vermitteln, das ist noch schwerer. Beides gelingt der Produktion auch nur sehr bedingt. Trotzdem fesselt sie dank psychologisch präziser Personenzeichnung, Dialogdichte, schneller Szenenfolge und sehr intensivem Spiel.

Es braucht nur ein paar Möbel auf der Bühne. Rückprojektionen kennzeichnen Spielorte, das ist von Ausstatterin Birgit Voss ansprechend gelöst und unterstützt den Rhythmus, mit dem die Spirale zuläuft. Alex, die Frau jener Nacht, spielt alle Mittel aus, um Dan an sich zu binden. Sie lockt mit Sex, droht mit Suizid, sie gibt sich bieder, erscheint kollegial, beschießt ihn mit Anrufen und SMS, taucht in seiner Familie auf, und das ist nur die harmlose Seite.

Regisseur Nickel versteht es, die Tragödie aufzulockern

Alexandra Kamp spielt die Alex nicht eindimensional als psychotische Stalkerin, sie legt auch tiefe Verletzlichkeit bloß. Umso erschreckender sind die Zuspitzungen, mit denen die unberechenbare Alex in Dans Welt eindringt. Sie will ihn besitzen. Liebe ist das nicht.
Bei Dan war und ist es auch keine Liebe, sondern Sex, ein One-Night-Stand, der brutal aus dem Ruder läuft. Michael von Au spielt sehr glaubwürdig aus, wie Dan sich erst noch in seiner Affäre sonnt, sich bald in leichten, dann immer schwerer wiegenden Lügen verstrickt, wie das Entsetzen in ihm heraufkriecht, wie Verzweiflung und schließlich Wut ihn aus der Bahn schleudern.

Da hat er längst seine Frau verloren. Lisa Karlström zeigt als Beth etwas Meg-Ryan-Burschikoses. Sie ist die Frau, die ihre Karriere für Heim und Familie hingab und mit den Jahren biederer geworden ist. Auch das ist ein nachvollziehbarer Charakter, allemal in Beth‘ explosiver Enttäuschung.

Regisseur Nickel zeigt das tradierte Familienbild mit Kind und Hund und Kaninchen als Klischee und trotzdem als lebenswertes Modell. Die unausweichliche Tragödie lockert er auf: Dans Kollege und Freund Jimmy, frisch geschieden, tritt als peinlich alberne Karikatur eines alternden, auf jung und cool machenden Mannes auf. Stephan Benson wird auch noch den knurrigen Inspektor geben, der am Ende auftaucht. Die Theaterfassung von James Dearden folgt dem zunächst gedrehten, später abgewandelten Filmfinale. Das ist gut so. Wie auch dieser gesamte Abend aus Unterhaltung, Schauspielkunst und der nicht gerade neuen Erkenntnis, dass die Folgen unseres Tuns nie berechenbar sind. Die mit langem begeisterten Beifall aufgenommene „verhängnisvolle Affäre“ steht bis zum 7. März auf dem Spielplan.

Von Hans-Martin Koch