Mittwoch , 30. September 2020
Premiere für „Letzte Runde“ ist am 6. Februar, es spielen (von links) Rebekka Hannah Ehlers, Jens Rainer Kalkmann, Hendrik Flacke und Esther Barth. Foto: ff

Der Todesengel braucht erstmal einen Cognac

Lüneburg. Die schöne Ezecielle ist heute ganz schlecht drauf. Der Engel ist dafür zuständig, die Menschen vom irdischen Dasein ins Reich der Toten zu befördern. Das ist sowieso kein schöner Job. Aber nun ist dem Todesengel auch noch gewissermaßen ein Kunde abhanden gekommen, der für die Schattenwelt vorgesehen war. Jetzt hockt Ezecielle in Hannes Kneipe und widmet sich dem Cognac, umgeben von Menschen, die allesamt nicht mehr ganz von dieser Welt zu sein scheinen. Was ist hier bloß los?

Das ist die schwarze Tragikomödie „Letzte Runde” von Lutz Hübner, im November 1995 uraufgeführt, jetzt zu sehen in der Lüneburger Hasenburg, ganz stilecht in einem Gasthaus also. „Eine Kneipe hätten wir niemals atmosphärisch so nachbauen können”, sagt Regisseur Thomas Flocken vom Lüneburger Schauspielkollektiv. Da war es naheliegend, gleich an einen echten Tresen zu gehen.

Der gutmütige Wirt

Da hocken sie nun: Lena, eine leicht verwelkte Lebedame, gesundheitlich angeschlagen, auf der Suche nach einem Abenteuer, einer Romanze oder überhaupt nach irgend etwas Schönem. Der schöne Belly, ein arbeitsloser DJ, ein Don Juan, der keine Ahnung hat, wie er nur in diese Pinte gelangt ist. Da war irgend etwas mit einer unglaublich erotischen Begegnung in einem überfüllten Club, aber dann: Filmriss. Dann ist da noch ein Gast, den niemand so richtig einordnen kann. Und natürlich Hannes, der gutmütige Wirt, der für jeden seiner Besucher ein offenes Ohr und ein volles Glas hat.

Diese morbide Kneipe, das wird langsam klar, ist die letzte Station zum Jenseits, die Reise hat begonnen, aber die Gäste klammern sich an das Leben, aufgeben gilt nicht, und das ist auch die Botschaft dieser pechschwarzen Komödie: Wer noch lebt, sollte auch leben, bis zum Schluss. „Dieses Motiv hat mich sehr berührt”, sagt Thomas Flocken, der selbst einmal gerade noch aussteigen konnte aus Ezecielles Reiseunternmehmen.

Nur Shakespeare und Goethe waren besser

Premiere ist am Donnerstag, 6. Februar, 19.30 Uhr, bis 5. März sind sieben weitere Vorstellungen geplant. Es spielen Esther Barth, Rebekka Hannah Ehlers, Hendrik Flacke, Jens Rainer Kalkmann und Andreas Püst. Dramaturgie: Julia von Thoen, die Regieassistenz liegt bei Endina Hasselbrink.

Lutz Hübner, Jahrgang 1964, schrieb unter anderem „Frau Müller muss weg”, er war schon in der Spielzeit 1999/2000 der meistgespielte Dramatiker auf deutschen Bühnen, im Jahr darauf fanden 751 Aufführungen seiner Werke statt. Nur Shakespeare und Goethe waren besser. „Letzte Runde” ist ein Frühwerk, damals vergleichsweise wenig erfolgreich, jetzt will der Dramatiker sich die Inszenierung in der Hasenburg anschauen. Wann genau, das steht noch nicht fest.

Fest steht: Nach der Premiere laden die Akteure die Besucher zu einem lockeren Gespräch, sie sitzten ja ohnehin schon in Hannes Kneipe.

Von Frank Füllgrabe