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Kultur-Kurator Dr. Ulfert Tschirner präsentiert seine neue Monographie. Foto: ff

Das erste Museum in Lüneburg

Lüneburg. Das erste Museum Lüneburgs gehörte zur Ritterakademie und hatte ein recht kurzes Leben: Es wurde 1791 eröffnet, mit der Auflösung der Ritterakademie 1850 war auch die Zeit dieses ambitionierten und seinerzeit durchaus richtungsweisenden Projekts wieder vorbei. Es sollte mit seinen Exponaten den Schulunterricht bereichern, wurde aber offenbar wenig genutzt, Relikte finden sich heute im großen Museum an der Willy-Brandt-Straße. Dort hat Dr. Ulfert Tschirner eine Monographie über das fast vergessene Museum geschrieben.

Das Buch, erschienen bei schnell+steiner in Regensburg, stellt die Gründungsidee, den Aufbau und den Niedergang dieses Museums dar, beschreibt die rund 125 noch vorhandenen Objekte. Der folgende Text besteht im Wesentlichen aus den einführenden Passagen von Tschirners Dokumentation.

Über Aufbau und Niedergang

Das Gebäude, das man heute unter dem Namen „Ritterakademie” als Veranstaltungsort kennt, war ursprünglich nur der nordwestliche Ausläufer einer viel größeren Anlage. Sie schloss im Südosten die Michaeliskirche mit ein und reichte fast bis zur Einmündung der Straße Auf der Altstadt in den Johann-Sebastian-Bach-Platz. 1790 als Reithalle der Akademie gebaut, ergänzte das Gebäude das historische Ensemble des Klosters St. Michaelis.

Das reich ausgestattete Lüneburger Benediktinerkloster war während der Reformation evangelisch geworden, existierte aber zunächst als Klostergemeinschaft fort. 1656 wurde diese schließlich aufgelöst und im Klosterkomplex eine „Ritterschule” eingerichtet, auf der vorrangig die Söhne des Lüneburger Landadels internatsartig ausgebildet wurden.

Das Museum verfolgte einen universal-enzyklopädischen Ansatz des Sammelns und integrierte darin konsequent auch die Lokalgeschichte, vor allem die Geschichte Lüneburgs und des Klosters St. Michaelis. In den Arbeiten zur Schulgeschichte der Akademie kommt es nur am Rande vor. Das spiegelt den geringen Erfolg, den das Museum für die damit angestrebte Verbesserung des Unterrichts hatte. In den Akten der Ritterakademie ist es vor allem in der Ära des Landschaftsdirektors Friedrich Ernst von Bülow (1784–1802) präsent; in der Folgezeit wird es deutlich ruhiger um das Museum. Erst mit der Auflösung der Ritterakademie und der dadurch entstehenden Frage nach dem Verbleib der Sammlungen werden um 1850 wieder mehr Akten dazu produziert.

Man sollte sich von diesem geringen schulischen Effekt jedoch nicht zu der Einschätzung verleiten lassen, dass das Museum „überschaubar klein” geblieben sei. Im Gegenteil: Am Ende des 18. Jahrhunderts war das Museum der Ritterakademie – insbesondere durch die umfangreichen naturkundlichen Bestände – eine der größten und in ihrem systematisch-enzyklopädischen Ansatz auch modernsten Sammlungen im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg.

Am Anfang war der Louvre

Die allgemeine Museums-Geschichtsschreibung ist traditionell kunsthistorisch ausgerichtet. Als Ausgangspunkt für historische Untersuchungen wurde zumeist die Eröffnung des ersten öffentlichen Kunstmuseums im Louvre während der Revolutionsjahre 1793/94 gesetzt und für die deutsche Museumsgeschichte die Gründung des (Alten) Museums in Berlin 1830 an den Anfang gestellt. Parallel hat sich die Erforschung der Vorgeschichte dieser Museen auf die Kunst- und Wunderkammern der Renaissance und ihre Nachwirkung in den Kunst- und Naturalienkabinetten des 17. und 18. Jahrhunderts konzentriert.

Finanziert wurde die Publikation durch die Michaelis-Bach-Stiftung, ehemals Michaelisakademie e.V. Aufgabe der Stiftung ist die Förderung von Heimatpflege und Heimatkunde und in diesem Zusammenhang die Förderung von Maßnahmen im Bereich der Michaeliskirche.

Von Frank Füllgrabe