Mittwoch , 12. August 2020
Am Sonnabend soll das Festival beginnen: (v.l.) Kathrin Holzmann (Landkreis Lüneburg), Leuphana-Student Paul Scherwinski, Initiatorin Dr. Inge Voltmann-Hummes und Prof. Dr. Michael Ahlers. Foto: ff

Nicht nur Halali und „Sau tot”

Lüneburg. In den Kirchen, auf dem Schützenfest, bei Hochzeiten, sogar bei der Jagd – „Bläser-Ensembles sind in unseren Dörfern und Gemeinden eine wichtige Säule , wenn es um das gesellschaftliche Miteinander geht”, sagt Dr. Inge Voltmann-Hummes, „außerdem werden von ihnen viele Kinder früh an das Musizieren herangeführt“. Aber wie groß ist die Szene im Landkreis Lüneburg wirklich? Die stellvertretende Vorsitzende des Kreis-Kulturausschusses wollte es genauer wissen, nach jahrelanger Recherche hat sie ein Festival angeschoben: „Musikuss”, den Auftakt spielen am Sonnabend, 25. Januar, 16 Uhr, drei Jagdhorn-Bläsergruppen im Bardowicker Dom.

Hartnäckig hält sich mancherorts die Vorstellung, auf den Jagdhörnern würden vor allem Signale wie „Großes Halali” und „Sau tot” gespielt. Natürlich gehören sie dazu, aber das Repertoire umfasst auch ausgewachsene Märsche, Choräle und konzertante Tanz-Stücke wie etwa Polkas. Das Programm im Dom reicht vom „Gebet der Jäger” über den Hainicher Jägermarsch bis hin zu dem Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich”. Es spielen die Jagdhornbläsergruppe Betzendorf, die Jagdhornbläsergruppe Hubertus der Jägerschaft Lüneburg und die Bläsergruppe des Hegeringes Elbmarsch-Ost.

Großes Finale am 22. März im Sportpark Kreideberg

Nach den Jagdmusikern spielen am Sonnabend, 22. Februar, um 15 Uhr in der Lüneburger Pauluskirche drei Posaunenchöre, sie stammen aus Vögelsen/Radbruch, Scharnebeck und Neetze. Zum Fest der Spielmannszüge wird am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr in die Lopautalhalle Amelinghausen geladen, mit dabei sind Spielleute aus Melbeck und Wittorf, die Bardowicker „Marching Colours” und „TonArt” aus Soderstorf. Am Sonnabend, 7. März, 18 Uhr, gehen das Stadtorchester Lüneburg und Flutissima Bardowick im Audimax der Leuphana auf die Bühne.

Alle Ensembles treffen sich zum großen Finale am Sonntag, 22. März, in der Veranstaltungshalle Sportpark Kreideberg, hier steht der Ablauf mit den Uhrzeiten der Veranstaltung noch nicht fest. Der ursprüngliche Plan, das Konzert in eine Matinée und eine Soirée aufzuteilen, wird wohl fallen gelassen.

„Das Finale gibt den Musikern die Chance, sich untereinander zu vernetzen und ein weiteres Mal den Leuten regionale Musikkultur nahezubringen“, so Voltmann-Hummes. „Mit den vielfältigen Konzerten wollen wir insbesondere auch Familien ansprechen.“ Die Musikuss-Konzerte sind also nachmittags, der Eintritt frei.

Begleitende Ausstellung im Museum

Schwierig war zunächst die Suche nach geeigneten Teilnehmern. Sie sollten ausschließlich aus Amateuren bestehen, sich – zweitens – sorgfältig der Jugendarbeit widmen und – drittens – sich auch wirklich regelmäßig zu Proben treffen. Die meisten Homepages waren veraltet, so Inge Voltmann-Hummes, die Ensembles hatten ihre Formate oder ganz einfach ihre Namen geändert. Weiterhelfen konnten in manchen Fällen die Verwaltungsmitarbeiter der Samtgemeinden

Das Festival hat mehrere Förderer: Der Landkreis Lüneburg zahlt die Mieten und die Werbekosten, so hat es der Kreistag beschlossen. Die Sparkassenstiftung unterstützt Musikuss, die Leuphana bringt Know-how mit ein, sie plant außerdem eine begleitende Ausstellung, die am 15. März im Museum mit dem Titel „Tradition plus“ starten soll. Apropos Know-how: Die Konzerte werden von Fachleuten wie etwa Thomas Dorsch, dem Musikdirektor des Theaters Lüneburg begleitet, um den Ensembles bei Bedarf noch den einen oder anderen Tipp zu geben.

Das Angebot werden sicher auch erfolgreiche Musiker nutzen. Die Jagdhornbläsergruppe Betzendorf etwa ist seit drei Jahren Landesmeister der Jagdhornbläser in Niedersachsen, zuletzt spielte sie sich im Bundeswettbewerb auf den dritten Platz – da geht also noch was!

Von Frank Füllgrabe