Dienstag , 29. September 2020
Benjamin Tomkins liebt und erzählt abstruse Geschichten. Foto: t&w

Ratte Ede kommt auf Touren

Lüneburg. Der Mann hat ja recht. „Wenn man das liest, denke ich immer, wie bin ich denn darauf gekommen?“, rätselt Benjamin Tomkins und schlägt sein Buch zu. Er versichert aber auch: „Ich habe nichts geraucht, als ich das geschrieben habe.“ Kaum zu glauben. Denn bei positiver Sicht ist „Tote Bauern melken nicht“ schlicht durchgeknallt. Sein Buch bzw. seinen Krimi stellte Tomkins jetzt bei Lünebuch vor.

Tomkins ist als Comedian unterwegs. Der 54-Jährige erspielte sich als Bauchredner und Puppenspieler Branchenpreise wie den Koggenzieher aus Rostock, die Schlumpeweck aus Herborn und die Pfanne aus St. Ingbert, den Prix Pantheon gab es auch. Ab und an zieht es Tomkins zum Buch. „Tote Bauern melken nicht“, was ein dusseliger Titel ist, erschien als drittes. Der Krimi hat einen Untertitel: „Kommissar Ratte ermittelt“.

Ratte Ede hat Tomkins in die gut besuchte Buchhandlung mitgebracht. Das war gut. Im Dialog mit der Rattenpuppe spielt Tomkins seine ganze Klasse aus. 2020 wird nicht nur fürs chinesische Horoskop, auch für Tomkins das Jahr der Ratte. Es verspricht unter anderem Intelligenz und Wohlstand. Die Astrologik dürfte Tomkins gefallen.

Ein unterhaltsamer Abend

Sein Publikum gewinnt der Comedian schon vor dem Start. Er schlendert umher, befragt sein Publikum: Wie heißt Du, wo kommst Du her, warum bist Du hier? Tomkins spielt sich und seine Besucher mit Charme und Witz warm. Es folgt ein unterhaltsamer Abend mit sexbezüglicher Stand-up-Comedy, Plauderei und Lesung aus seinen drei Büchern. Im Dialog mit Ratte Ede nähert er sich dem Buch des Abends.

Der Plot spielt, von Ratte Ede erzählt, auf Poel und in Wismar und geht in etwa so: Ede stößt im Stall auf den toten Bauern, landet mit seinem Spielzeugmotorrad im Sarg des Bauern und in der Gerichtsmedizin. Dort entkommt er dem Sarg, schrottet sein Bike, gerät an einen bekifften Punk, in die Krallen der Möwen-Mafia, und dann geht das immer so weiter. Die in einfache, dialogreiche Sprache getauchte Geschichte ist komplett abstrus und sicher am besten zu lesen und zu verstehen, wenn man etwas geraucht hat. Aber das darf man ja nicht.

„Hörst Du Dir beim Reden zu?“

Tomkins kam nach vielen Umwegen erst 2011 in der Comedyszene an und stieg schnell auf. Er hat den Abend und sein Publikum so routiniert wie locker im Griff. Es wird viel gelacht, und manchmal muss Tomkins aufpassen, dass er sich nicht selbst ansteckt. Er hat spürbar Spaß.

Es ging ihm nicht immer gut. 2018/19 hatte er schon seinen Abschied angekündigt. Tatsächlich zwang ihn seine Bandscheibe zum Absagen einer Tour. Aber er steht und geht wieder. Am 27. März stellt Tomkins im Kulturforum die Frage: „Hörst Du Dir beim Reden zu?“

Von Hans-Martin Koch