Samstag , 26. September 2020
Das ist schon sehr amerikanisch: Lady Rose Watson umarmt mit ihren Engelsflügeln das Publikum. Foto: t&w

Friede, Freude und Liebe

Bardowick. Seit dem 28. Dezember touren die von Lady Rose Watson und Queen Yahna angeführten Black Gospel Angels aus Richmond, Virginia, zum fünften Mal kreuz und quer durch Deutschland. Bis zum Tourende am 16. Februar wird die Show des von drei versierten Instrumentalisten begleiteten Gesangs-Septetts in 42 Städten, vor allem in Kirchen, aber auch in Festhallen, ihre Fans begeistern.

Lady Rose-Watson mit Engelsflügeln

Besonders Norddeutschland habe es dem Ensemble angetan, so das Management, die großen Hallenkirchen seien prädestiniert. Und der Bardowicker Dom, in dem die Black Gospel Angels, die sich selbst als einen der besten Gospel-Chöre der Welt bezeichnen, nun schon zum dritten Mal auftraten, gehöre zu deren Favoriten.

Das Mittelschiff war so gut wie voll besetzt. Zunächst traten die drei Sänger und drei Sängerinnen der Stammbesetzung auf, allen voran mit spektakulär glitzernden Engelsflügeln, Lady Rose Watson. Diese temperamentgeladene Solistin und Chorleiterin, die professionell ausgebildet wurde an der Virginia School of Arts und weltweit als Opern- und Musical-Star unterwegs ist, unter anderem mit Hauptrollen in „Tenoritas“ und „Sister Act“, möchte mit dem von ihr gegründeten Chor Frieden, Freude und Liebe verkünden.

Voluminöse Stimme

Das gelang der passionierten Baptistin, die gerade ihr in den USA erfolgreiches Album „Timeless“ veröffentlichte, in Bardowick in Sekundenschnelle. Im Nu hatte sie das Publikum einbezogen in die rasante Show, regte zum Mitsingen, Mitklatschen, zu Fußgetrappel und schließlich sogar zum Tanzen gemeinsam mit den Künstlern an.

Als besonderer Gast ließ sich die in Philadelphia geborene Wahl-Berlinerin Queen Yahna feiern. Sie imponierte mit ihrer Bühnenpräsenz und umfangreicher voluminöser Stimme. Sie verstand es, langsame Solo-Intros zu zelebrieren, gefolgt von effektvollen Band-Einsätzen, sangbaren Melodien und vitalen Chor-Solo-Wechselgesängen und animierenden Tanzrhythmen, besonder eindrucksvoll mit „Kumbaya My Lord“, doch auch mit „Walk in Jerusalem“, „This Little Light of Mine“, „Lay My Burden Down“ oder „Mr. Wonderful“, „I Got a Crown“, „Joy“, „He’s Got the Whole World“ oder „Down by the Riverside“.

Eingängige Pianoromantik

Die Show, deren musikalische Finessen im Laufe des Abends immer deutlichere Konturen annahmen, da man immer erfolgreicher versuchte, den extremen Nachhall des Kirchenschiffs mit einer passablen Verstärkung in Einklang zu bringen, machte sich eine betörende Kulisse zunutze: Rot, lila, pink, petrol changierten die Farben des gesamten Chorraums, rund um das strahlende Gold der historischen Altarschnitzereien. In wechselnden langen Gewändern standen die ChoristInnen Spalier, dahinter E-Piano, Schlagzeug und Gitarre. Fröhlichkeit herrschte, mit viel Leidenschaft performt wurden vom Ensemble, aus dem jede der originellen Stimmen besonders im A-cappella-Gesang auch immer wieder überzeugend solistisch hervortrat, vor allem traditionelle Hits der Gospelszene.

Doch die Art der Interpretationen gewann besonderen Charme durch die Verbindung mit Swing, Jazz, moderner Polyrhythmik, lateinamerikanischen Sounds, Calypso- und Bluesklängen, teils versüßt durch eingängige Pianoromantik. Der Medley „Church in America“ mit Songs wie „Let the Church Say Amen“, „O Happy Day“ oder „Oh When the Saints” riss die Zuhörer am Ende wieder von den Sitzen.

Von Antje Amoneit