Mittwoch , 30. September 2020
„Travemünder Strand“ (Öl auf Hartfaser, 1981) von Horst Skodlerrak. Die Darstellung hier ist nicht viel kleiner als das Original. (Foto: ff)

Im Kleinen groß

Lüneburg. „Was mich an ihm fasziniert? Das ist gar nicht so leicht in Worte zu fassen. Das Erzählerische, das Präzise, das Verrätselte, die Stimmung“ – Dr. Jörn Barfod muss erstmal eine Weile nachdenken. Fest steht: Die Ausstellung „Im Kleinen groß“ ist dem Kustos des Ostpreußischen Landesmuseums eine Herzensangelegenheit. Es geht um den Maler und Grafiker Horst Skodlerrak, geboren im Januar 1920 als Sohn eines Volksschullehrers in dem Dorf Jugnaten im Memelland, gestorben 2001 in Lübeck, eine Ausstellung zum 100. Geburtstag also.

Der Titel verweist auf die Formate: Horst Skodlerrak benötigte nur wenig Fläche, schuf seine messerscharfen Szenarien mit Pinsel, Stift und Radiernadel. Er war beeinflusst vom Bauhaus, entdeckte den Konstruktivismus, die kubistische Motivzerlegung, die Reduktion komplexer Zusammenhänge auf Zeichen, beschäftigte sich mit Paul Klee, Pablo Picasso und Joan Miro, und schuf sich einen fast unverwechselbaren eigenen Malstil.

Besucher der Sonderausstellung führt Barfod zunächst nach nebenan, dort hängen zwei (eher großformatige) Landschaften von Alfred Partikel (1888-1945). Horst Skodlerrak besuchte ihn Ende der Dreißiger Jahre an der Königsberger Kunstakademie, studierte außerdem bei Eduard Bischoff. Nach 1945 kam der junge Maler nach Holstein, lebte mit seiner Familie ab 1951 in Brodten an der Lübecker Bucht. Eine schwere Zeit, zumal für einen freien Künstler, aber er setzte sich durch, fand in den Fünfziger Jahren zu seiner eigentümlichen Technik, bekam 1962 den Villa-Romana-Preis, verbunden mit einem elfmonatigen Aufenthalt in der Toskana, wurde anschließend Dozent und später Honorarprofessor an der Kieler Kunsthochschule.

Horst Skodlerrak ist auf seinen Bildern im Grünen wiederzufinden, als Maler an der Staffellei, „aber er hat in Wirklichkeit nie nach der Natur gemalt, sondern immer im Atelier“, so Barfod. Dort setzte Skodlerrak Ideen und Motive zusammen, die er in Skizzenbüchern gesammelt hatte. Autobiographische Verweise sind auf den Bildern zu entdecken, wichtig war ihm die Signatur, die genaue Verortung in Zeit und Raum, zuverlässig in den Details sind seine Arbeiten dennoch nicht. Er malte, so heißt es in einer Würdigung, „gegenständlich, aber nicht realistisch“.

Die Ausstellung, jeweils zur Hälfte basierend auf Leihgaben und Beständen des Museums, läuft bis 1. März. Zum Rahmenprogramm gehört ein Wochenend-Malworkshop mit Elena Steinke für Erwachsene: „Eine andere Wirklichkeit – zwischen Natur und Abstraktion“, 15. und 16. Februar.

Von Frank Füllgrabe