Sonntag , 25. Oktober 2020
Benjamin Tomkins präsentiert den Krimi „Tote Bauern melken nicht“. (Foto: Daniela Vagt)

Erster Einsatz für Ede, die Ratte vom Bauernhof

Lüneburg. Als Bauernhofratte Ede ein ADAC-Spielzeugmotorrad findet, ernennt er sich kurzerhand zum Pannenfahrer. Aber der erste Einsatz wird selbst zur Panne, denn er führt in einen Stall, in dem ein toter Bauer liegt. Die ehrgeizige Ratte übernimmt sofort die Beweisaufnahme und stürzt sich ins Abenteuer. Davon erzählt Ede am Donnerstag, 16. Januar, um 20 Uhr bei Lünebuch, er stellt den Krimi „Tote Bauern melken nicht“ vor.

Ausnahmsweise ohne Wasserglas

Das ist also eine etwas ungewöhnliche Lesung – eine ohne das übliche Wasserglas, und die Ratte wäre wohl aufgeschmissen, wenn nicht ihr Herrchen Benjamin Tomkins dabei wäre. Der Comedian und Puppenspieler hat die renommiertesten Kleinkunstpreise Deutschlands gewonnen. Jetzt geht er einen neuen Weg, hat eine seiner Bühnenfiguren zum Protagonisten eines Romans gemacht. Ede begegnet Thea, einem haschischrauchenden Punk aus der Pathologie, beide entdecken Immobiliengeschäfte mafiöser Möwen und kämpfen sich durch grandiose Verfolgungsjagden, bevor die Ratte endlich den Fall aufklärt.

Die Ede-und-Tomkins-Lesung ist eine von rund vierzig, die der neue Halbjahresflyer des Literaturbüros auflistet. Er gewährt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einen Überblick über den Besuch bekannter Autoren (Rafik Schami, Ingo Schulze, Bastian Sick), über erfolgreiche Lese-Reihen („Ausgewählt“, „LiteraTour Nord“, „Was uns bewegt“) und ungewöhnlicher Formate wie eben der Auftritt der Ratte.

Jochen Schimmang, gerade mit dem Walter-Kempowski-Preis für biografische Literatur ausgezeichnet, liest am 10. März (vermutlich) aus seinem jüngsten Werk „Adorno wohnt hier nicht mehr“. Als Graphic Novel stellt Nicolas Mahler am 3. Juni den „Ulysses“ von James Joyce vor, und Jürgen Kaube stellt am 2. März die Frage: „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?“

Die meisten Termine finden im Heinrich-Heine-Haus statt, hier hat neben dem Literaturbüro auch die Literarische Gesellschaft ihren Sitz, die beispielsweise neben Wolfgang Kemps Besuch („Was für ein Sommer“, 16. Juni) wieder den Ankunftstag Heinrich Heines (21. Mai) feiert.

Eine Familie in Deutschland

Natürlich ist das Geschehen nicht auf die Stadt beschränkt. Heidi Petermann, Initiatorin der Bleckeder Reihe „Literatur in unserer Stadt“, lädt anlässlich des 100. Geburtstages von Marlen Haushofer zu einem Abend mit Undine Andersonn; die Schauspielerin und Theaterautorin liest am 17. April aus „Die Wand“. Bei Konau 25 geht es am 13. Juni um Georg Büchner, und in der Adendorfer Bücherei am Rathausplatz liest Peter Prange am 25. März aus „Eine Familie in Deutschland“.
Noch einmal Lünebuch, am 26. Januar haben die Veranstalter vorsichtshalber gleich ins Theater eingeladen, denn es dürfte voll werden: Es geht um den „Herrn der Ringe“, zu Gast sind Andreas Fröhlich und Timmo Niesner, die deutschen Stimmen von Gollum und Frodo Beutlin, Ralf Tornow von Klett Cotta spricht über die Verlagsarbeit, der Abend wird moderiert von Denis Scheck.

Von Frank Füllgrabe