Freitag , 25. September 2020
Phillipp Barczewski dirigiert die Lüneburger Symphoniker. Foto: Michael Behns

Feinkost aus aller Welt

Lüneburg. Feierlich und besinnlich, fröhlich und beschaulich mag es die Menschheit an Weihnachten. Eine beachtliche Vielfalt, die etliche Bräuche reifen ließ, vom Gänsebraten bis zu Ritualen, um böse Geister mit Schmackes ins Abseits zu jagen. Aus solchen Zutaten kann mühelos ein weit ausholendes Festtagskonzert gestrickt werden, als Reise durch verschiedene Länder oder Traditionen.

Die Lüneburger Symphoniker blätterten sich akribisch durch das Repertoire und stellten aus der Recherche ein musikalisches Feinkostprogramm zusammen, das dem avisierten Spektrum genügend Raum zumaß: Einschlägig Bekanntes und ein paar Raritäten fügten sich zu einem facettenreichen Abend, dem das Publikum im ausverkauften Theater sehr zusprach. Launig und sachkompetent führte Chefdramaturg Friedrich von Mansberg durch diese fast globalen Exkursionen von den USA bis zu Hinweisen über wenig nahrhafte Essgewohnheiten in Japan und ungewöhnliche Verkehrsmittel in Venezuela. Dabei enthüllte er manch verblüffende Kuriosität weihnachtlicher Gepflogenheiten zwischen britischem Boxing-Day, der notorischen Neigung zum Glückspiel ausgerechnet an Heiligabend in Italien oder verwegenen Tanzzeremonien um den geschmückten Baum, wie in Norwegen zele­briert.

Schwungvolles Medley

Das Konzert am ersten Feiertag sollte ausschließlich mit hauseigenen Kräften bestritten werden. Insofern waren Chor und Orchester primär gefordert. Mit dem motivierten Ensemble brachte Dirigent Phillip Barczewski eindrucksvolle Musikgenüsse zuwege. Zum Auftakt galoppierten die Symphoniker in atemberaubenden Tempo durch Carl-Philipp Emanuel Bachs opulentes Magnificat, unterstützt von den gut präparierten Vokalisten. Auch in der Stippvisite bei Edward Griegs prominenter Holberg-Suite setzten die bestens gelaunten Instrumentalisten auf Vivace-Feuer.

Eher ruhiger fielen die Karelia-Suite von Jean Sibelius und ein finnisches Weihnachtslied mit unaussprechlichem Titel aus. Sehr gravitätisch gestaltete Karl Schneider die „Holde Nacht“ von Franz Schubert mit tenoralem Glanz. Caesar Franck und „Der Nussknacker“, französisches Kolorit und Ballettmusik von Peter Tschaikowsky: Die Symphoniker und die zugleich solistisch geforderten Chor-Mitglieder destillierten aus den gewählten Werken jeweils ihre spezifische Klangsprache heraus, von Phillip Barczewski feinnervig ausgelotet und mit klaren Zeichen durch die Partituren navigiert.

Nach diversen Stationen auf dem europäischen Kontinent von Mozart bis Händel und Dietrich Buxtehude bis Camille Saint Saëns sowie zwei veritablen Mitmachaktionen für das Publikum ging es zum amerikanischen „Polarexpress“ mit einem schwungvollen Medley, das der von Anna Schwemmer vorbereitete Kinder- und Jugendchor der Musikschule stimmstark und taufrisch präsentierte. Die Zuhörer jubelten am Ende, forderten eine ausgiebige Zugabe.

Von Heinz-Jürgen Rickert