Im März hat „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in Hamburg Premiere. Uwe Serafin (kl. Foto u.) spielt darin gleich drei Rollen. (Foto: Manuel Harlan)

Voldemort aus dem Wendland

Hamburg/Luckau. Uwe Serafin hat manchen Ritt hinter sich. Der in Frankfurt geborene Schauspieler kam Mitte der 80er-Jahre ins Wendland, st artete von dort per Pferd quer durch Deutschland. Serafin studierte in Hamburg Schauspiel und stand bald auf der Bühne. 104 Vorstellungen bestritt er in „Marlene Jaschke ist Carmen“ in Schmidts Tivoli. In der Ära von Jan Aust war Serafin in zahlreichen Produktionen am Theater Lüneburg zu sehen, von „Otello darf nicht platzen“ über „Emilia Galotti“ bis „Die Wanze“. Seit 2008 spielte er bis 2012 bei den „Roten Rosen“. 2011 war Serafin Mitgründer der Freien Bühne Wendland. Jetzt wechselt der 57-Jährige zu einer Großproduktion. Die nächsten zwei Jahre gehört er zum Team von „Harry Potter und das verwunschene Kind“. Die Proben laufen auf Hochtouren, Premiere ist im März.

Können Sie schon verraten, welche Rolle Sie spielen?
Uwe Serafin: Ja. Ich spiele in dem Stück die geilsten Rollen, finde ich: Lord Voldemort, den schrecklichsten der schwarzen Magier, und Severus Snape, den mysteriösen Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste.

Uwe Serafin spielt gleich drei Rollen im Potter-Stück: Onkel Vernon, Voldemort und Snape. (Foto: Jens Hauer)

Wie sind Sie daran geraten?
Die ZAV-Künstlervermittlung hat mich vermittelt. Es waren wohl um die 3000 Kandidaten beim Casting, allein für meine Rolle mehr als hundert. Ich wurde erst als Onkel Vernon gecastet, auch wenn ich nicht dick bin, wie es Vernon sein muss. Aber eigentlich ging es um Voldemort und Snape, da der Schauspieler alle drei Rollen spielen muss. Etwa zwei Wochen vor dem Termin bekam ich den Text zum Vorsprechen. Harrys tyrannischen Onkel Vernon spiele ich also auch.

Nun spielen Sie also die mutmaßlich Bösen. Sind das nicht aufwendige Partien?
Die sind gar nicht so wahnsinnig viel auf der Bühne. Aber es sind Figuren, über die im Stück laufend geredet werden. Wenn die dann kommen, hat das entsprechend einen großen Effekt.

45-Millionen-Euro-Produktion

Harry ist erwachsen

„Harry Potter und das verwunschene Kind“, das erste Theaterstück von Joanne K. Rowling, erzählt von dem erwachsenen Ex-Hogwarts-Schüler und seinem Sohn Albus Serverus. Bekannte Charaktere aus den Romanen tauchen wieder auf, Harrys Freunde Hermine und Ron, ebenso Kontrahent Draco Malfoy. Das am 30. Juli 2016 in London uraufgeführte Stück läuft seither vor stets ausverkauftem Haus. Seit 2018 ist die Potter-Story in New York zu erleben. Die Geschichte wird in zwei Teilen von je 2,5 Stunden erzählt. Karten für beide Teile kosten in Hamburg ab 99,95 Euro.

Voraufführungen starten am 5. Februar, die Premiere der deutschsprachigen 45-Millionen-Euro-Produktion findet am 16. März statt. Das mit 450 Tonnen Stahl, mehreren Kilometern Teppich und Unmengen an Technik zum Harry-Potter-Theater umgebaute Mehr! Theater am Großmarkt fasst 1670 Plätze. Angestrebt wird eine lange Laufzeit, nach drei Jahren soll die Produktion die Gewinnzone erreichen.

Sie haben im Wendland eher basisdemokratisch organisiertes Theater gemacht. Verträgt sich das überhaupt mit der Arbeitsweise einer auf lange Spielzeit ausgerichteten, gewinnorientierten Millionenproduktion?
Es ist natürlich etwas komplett anderes. Ich habe im Theater schon so ziemlich alles gemacht, vom gut organisierten Stadttheater bis zum selbst organisierten Solo, aber so etwas noch nie. Ich musste oft alles selbst machen, und jeder quatschte rein. Ich genieße es jetzt, dass ich mich voll auf meine Rolle konzentrieren kann und alles andere hoch kompetente Kollegen übernehmen. Ich habe auch noch nie ein Theaterstück geprobt, bei dem so vieles schief gehen kann. Der Aufwand ist gigantisch.

Ist man in so einer Riesenproduktion nicht nur ein Rädchen, das zu funktionieren hat?
Überhaupt nicht. Ich erfahre hier eine Wertschätzung, wie ich sie noch nie erlebt habe. Man kann achtsam und liebevoll mit Leuten umgehen und doch genau wissen, was man will. Ich versuche natürlich trotzdem, im Rahmen des Möglichen eigene Ideen einzubringen.

Haben Sie eigentlich die Harry-Potter-Romane gelesen?
Ja, jetzt alle, aber ich bin durch meine Kinder ohnehin mit Potter vertraut, habe alle Filme gesehen.

Kennen Sie auch die Londoner Produktion, die ja eine Art Vorbild für Hamburg ist?
Ich habe sie gesehen, als ich nach London zu einem Spezialisten musste, der die Voldemort-Maske baut. Da war ich auch im Theater, bei manchen Szenen traten mir Tränen in die Augen. Das war alles sehr beeindruckend bis hin zu der begeisternden Musik, sie hebt das Ganze noch auf eine zusätzliche Ebene. Die Hamburger Produktion wird wohl noch etwas fantastischer bei den Zauberszenen.

Leben Sie eigentlich noch im Wendland?
Ja natürlich. Aber ich habe ein WG-Zimmer in Hamburg. Das Stück wird ja achtmal in der Woche gespielt. Es gibt zwei Cover für meine Rolle, da habe ich dann natürlich auch ab und zu mal frei.

Von Hans-Martin Koch