Daniela Krien. (Foto: Maurice Haas, Diogenes)

Immer läuft etwas schief

Lüneburg. Die erste Lesung im neuen Jahr gestaltet Daniela Krien im Rahmen der LiteraTour Nord: Mittwoch, 8. Januar, 19.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus. Daniela Krien liest aus ihrem hochgelobten Roman „Die Liebe im Ernstfall“. Darin erzählt sie von fünf Frauen in den Vierzigern. Aufgewachsen in den Grenzen der DDR wollen sie nach der Wende alles, bekommen vieles, doch immer sticht der Stachel ihrer Rolle als Frau.

Immer kommt etwas dazwischen

Paula lernt ihren zukünftigen Mann kennen; sie heiraten und bekommen ein Kind, doch das Kind stirbt, und die Trauer scheint uferlos. Judith, eine arrivierte Ärztin, sucht über den Umweg durchs Bett den Mann zum Leben. Dann wird sie vom richtigen Mann zum falschen Zeitpunkt schwanger und treibt heimlich ab. Brida ist Schriftstellerin und hat sich aufgerieben zwischen der Liebe zu ihren Kindern und der inneren Notwendigkeit zu schreiben. Malika war einst ein vielversprechendes Geigentalent, doch als ihr Mann sie verlässt, werden sowohl die Hoffnungen auf eine große Karriere als auch auf Familiengründung zerstört. Malikas jüngere Schwester Jorinde macht ihr jedoch ein unerhörtes Angebot ...

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin, 2011 erschien ihr Roman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Ihr Erzählband „Muldental“ wurde 2015 mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Daniela Krien lebt mit zwei Töchtern in Leipzig. Moderation: Julia Menzel, Leuphana Universität. Veranstalter sind das Literaturbüro Lüneburg, die Leuphana und die Literarische Gesellschaft.

Das weitere Programm im Januar:

Dienstag, 14. Januar, 19.30 Uhr, Heinrich-Heine-Haus: Jackie Thomae liest in der Reihe „ausgewählt“ aus ihrem Roman „Brüder“. Zwei Männer, zwei Möglichkeiten, zwei Leben: Jackie Thomae stellt die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind: Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da – ein prominenter Mann, der tief fällt.

„Brüder“ erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein, aber die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Jackie Thomae, 1972 in Halle an der Saale geboren, ist Journalistin und Fernsehautorin. 2014 erschien ihr Debütroman „Momente der Klarheit“. Sie lebt in Berlin. Ihr Roman „Brüder“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2019. Veranstalter ist das Literaturbüro.

Mittwoch, 22. Januar, 19.30 Uhr , Heinrich-Heine-Haus: Ulrike Draesner liest im Rahmen der LiteraTour Nord aus dem Roman „Kanalschwimmer“. Dass er „zu sicher“ gelebt hat, begreift Charles mit Anfang 60, kurz vor seinem Ruhestand. Als seine Frau ihm eröffnet, dass ein anderer Mann fortan das Haus mit ihnen teilen soll, setzt er ihrem Traum zunächst einen eigenen entgegen: einmal im Leben durch den Ärmelkanal zu schwimmen.

Kaltes Wasser, mächtige Strömung

Das Wasser verändert Charles’ Sicht auf sein Leben: auf die Sommer der Liebe in den Siebzigern, menschliche Leidenschaften, gescheiterte Utopien. Ein Aufbruch im Alter, ist das möglich? Gelten die frühen Ideale noch – oder wieder? Der Kanal ist kalt, die Strömung mächtig. Am Ende wird Charles klar, dass er nicht über seinen Schatten springen muss. Er kann ihn durchschwimmen.

Ulrike Draesner, 1962 geboren, schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Joachim-Ringelnatz-Preis und den Nicolas-Born-Literaturpreis; zwei ihrer fünf Romane waren für den Deutschen Buchpreis nominiert. Seit 2018 ist sie Professorin für literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Moderation: Tilmann Lahme, Leuphana. lz