Sonntag , 27. September 2020
Olaf Schmidt hat mit seinen Inszenierungen das Ballett am Theater Lüneburg erneuert, die Besucherzahlen verdoppelt. Foto: t&w

Poesie, Tiefe – und höherer Blödsinn

Lüneburg. Olaf Schmidt, seit Spielzeit 2013/14 Ballettdirektor am Theater Lüneburg, hat den zum ersten Mal vergebenen Lüneburger Kunstpreis für Musik und Theater erhalten. Mit der Auszeichnung werden Schmidts Konzepte, Ideen und Produktionen gewürdigt, die weit über die Region hinaus Beachtung finden. „Er zeigt, was Tanz alles vermag, Er nimmt sein Publikum ernst, fordert es heraus, unterhält und verzaubert es“, sagte bei einer Feierstunde im Huldigungssaal des Rathauses – die nicht mit dem Preisträger verwandte – Laudatorin und Dramaturgin Christina Schmidt.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge wies bei seiner Begrüßung darauf hin, dass Schmidt die Besucherzahlen für das Ballett mehr als verdoppelt hat. Bisher knapp 30 Produktionen als Ballettchef, dazu als Regisseur des Musiktheaters hat Schmidt in Lüneburg auf den Weg gebracht. Neugier, Kreativität und der Mut, in jeder Produktion ein Wagnis einzugehen, würden die Arbeit Schmidts auszeichnen, sagte die Laudatorin. Sie kennt den Preisträger seit 2000 durch gemeinsame Arbeitszeit in Kaiserslautern, die Zusammenarbeit hält bis heute an. Weitere Merkmale von Schmidts Arbeit seien große Menschlichkeit sowie Sinn für Poesie, Tiefe – und höheren Blödsinn.

Erfolgreiche Inszenierungen für das Musiktheater

Olaf Schmidt, geboren in Berlin, war als Tänzer und Schauspieler unter anderem in Berlin, Bremen, Bern, Ulm und Mannheim engagiert. Seit 1992 arbeitete er als Ballettdirektor in Kaiserslautern, Karlsruhe und Regensburg, der Station vor Lüneburg. Dazu kommen Einsätze im Ausland, von Zaragoza bis Sao Paulo. „Sich immer wieder neu erfinden, mit neuen Formen des Ausdrucks“, daran arbeite Schmidt, so seine Laudatorin. Zu den großen Produktionen in Lüneburg zählen – beispielhaft genannt – „Kaspar Hauser“, „Orestie“, „Schlafes Bruder“, „Zauberberg“ und aktuell „Orpheus und Eurydike“. Häufig sind es große literarische Stoffe, die Schmidt in eine tänzerische Essenz zu übertragen versteht. Neben den Produktionen im Großen Haus kommen stets ausverkaufte Märchenballette für Kinder wie zurzeit „Schneewittchen“. Ebenso erfolgreich sind Schmidts Inszenierungen für das Musiktheater. In dieser Spielzeit füllt „Singin‘ In The Rain“ regelmäßig das Haus.

Der neue Kunstpreis richtet sich an Künstler aus Musik und Theater. Damit ergänzt die Auszeichnung den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis, der laut Legat der Stifterin ausschließlich an Vertreter der Sparten Malerei, Grafik, Bildhauerei, Architektur, Dichtung und Schriftstellerei geht. Beide Preise werden künftig im jährlichen Wechsel vergeben. Der Kunstpreis für Musik und Theater der Hansestadt Lüneburg ist mit 2000 Euro dotiert, das Preisgeld stammt aus einer privaten Spende.

„Ohne die Tänzer wäre ich gar nichts“, sagte Olaf Schmidt und dankte ihnen für ihre Leidenschaft und Bereitschaft, ihm auch durch schwierige Phasen der Werkentstehung zu folgen. Zehn Tänzer umfasst die stark geforderte Company, dazu arbeitet der Choreograf mit einem sehr kleinen Team für Dramaturgie, Bühnen- und Kostümbild. Dem Intendanten Hajo Fouquet dankte Schmidt für das Vertrauen, völlig frei eigene Ideen umsetzen zu können. Das nächste Schmidt-Ballett folgt einem großen Künstler der Renaissance: „Caravaggio“ wird am 18. Januar uraufgeführt.

Keine Feierstunde ohne passende Musik. Kanako Sekiguchi am Klavier begleitete Kristian Lucas unter anderem bei einem Hit aus „La Cage aux Folles“: „Ich bin, was ich bin“.

Von Hans-Martin Koch