Samstag , 26. September 2020
Birgit Morgenstern mit einem typischen Beispiel für ihre monochromatischen Druckstoffe. Foto: ff

Motive der Natur abgeschaut

Lüneburg. Bei dem Wort „Blümchentapete“ denken die meisten Menschen wohl an knallbunte Kinderzimmer, an Gelsenkirchener Barock oder plüschige britische Salons mit schweren Vorhängen. Stimmt alles, ist aber nicht die ganze Wahrheit.

Ein Beispiel: Birgit Morgenstern. Die Lüneburgerin entwirft und produziert handgedruckte Tapeten und Stoffe mit Blumendekor, die so überhaupt nicht zum klassischen Image passen, sondern luftig, leicht und manchmal auch ein wenig kühl wirken. Arbeiten aus ihrer Siebdruck-Werkstatt zeigt Birgit Morgenstern Sonnabend und Sonntag auf dem Kunsthandwerkermarkt im Kloster Lüne.

Tapeten, Stoffe und Papiere gefragt in aller Welt

Mit ihren Dekors wird Birgit Morgenstern auch im Land der Cottages wahrgenommen, wo – im Gegensatz zu Deutschland – auch nach dem Zweiten Weltkrieg die gemusterte Tapete als Teil der Innenarchitektur eine bedeutende Rolle spielt, also in England. Hier gewann sie einen „Home & Garden Award“; andere Prämierungen, die sie auf ihr Künstlerkonto buchen konnte, waren etwa der „Interieur Innovation Award“ und der „German Design Award Nominee“.

Geboren in Lüneburg, aufgewachsen in Ellringen, studierte Birgit Morgenstern Textildesign in Hannover, recherchierte bei Gruner + Jahr für das Buchprojekt „Möbel des 20. Jahrhunderts“ und machte sich schließlich in Lüneburg selbstständig. Über Messen gelangen ihre Arbeiten jedoch in alle Welt, bis hin in die USA und nach Japan, wo vor allem ihre Geschenkpapiere besonders geschätzt werden. Denn erst eine edle Verpackung, so denken die Asiaten nun mal, gibt dem Geschenk selbst die entsprechende Bedeutung.

Monochromatische Dekore auch auf Küchentextilien

Typisch für die Künstlerin ist die Reduktion, die Beschränkung auf wenige Formen und Farben – was ein ganzes Zimmer schmückt, kann nun mal schnell aufdringlich wirken.

Ihre Motive sammelt Birgit Morgenstern mit dem Fotoapparat in der Natur, manchmal kommen sie auch zu ihr nach Hause: Eine Physalis-Kapsel flog von Nachbars Garten herüber, wurde gleich aufgenommen und findet sich nun in extremer Vergrößerung an der Wand wieder.

Meistens sind die Dekore monochromatisch, also einfarbig, erfordern allerdings, wenn sie in verschieden starker Farbkraft verwendet werden, entsprechend viele Druckvorgänge. Frickelig wird es auch, wenn sich die Motive beim Tapezieren zu einer durchgehenden Komposition zusammenfügen sollen, also nicht einfach eine Tapetenbahn beliebig wiederholt werden kann. Im Kloster Lüne zeigt Birgit Morgenstern keine Beispiele aus ihrer Tapetenkollektion, sondern überwiegend kleinere Exponate, vor allem handgedruckte Küchentextilien aus Leinen.

Vom Antiquariat über Schmuck bis zu Glasrepliken

Vierzehn Aussteller/innen beteiligen sich an dem traditionellen Kunsthandwerkermarkt der Heinz-Friedrich-Meyer-Stiftung im Sommerremter und in der Weberei des Klosters Lüne – Sonnabend, 7. Dezember, 11 bis 18 Uhr, und Sonntag, 8. Dezember, 11 bis 17 Uhr. Das Angebot reicht vom Antiquariat und handgeschöpftem Papier über Schmuck und Porzellan bis zu Repliken historischer Gläser aus der Lüneburger Stadtarchäologie.

Von Frank Füllgrabe