Donnerstag , 29. Oktober 2020
Der Journalist und Sachbuch-Autor Bernd Ulrich stellt seinen Titel „Alles wird anders. Das Zeitalter der Ökologie“ vor, Karen Köhler liest aus ihrem Roman „Miroloi“. Fotos: Vera Tammen, Christian Rothe

Das Zeitalter der Ökologie

Lüneburg. Die Ökologie ist endgültig kein Thema mehr unter anderen, sie ist ins Zentrum der Politik gerückt. Tiefe Eingriffe sind nötig, um die Erderwärmung leidlich zu begrenzen. Verkehrswende, Energiewende, Agrarwende – die anstehenden Veränderungen werden reale Verlierer und Gewinner haben, sie bergen Chancen und Schmerzen. Doch noch immer wird nicht nach einer Politik gesucht, die so groß ist wie die Probleme, sondern umgekehrt: Die Probleme werden so zurechtgestutzt, dass sie zu der Politik passen, die wir kennen.

Neue Freiheiten und neue Zuversicht

Der Journalist und Buchautor Bernd Ulrich stellt am Montag, 2. Dezember, um 19.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus seinen „Alles wird anders. Das Zeitalter der Ökologie“ in der Reihe „ausgewählt“ vor. Darüber, wie man den Herausforderungen begegnen und neue Freiheiten und neue Zuversicht gewinnen kann, spricht Bernd Ulrich mit Jan Ehlert. Veranstalter ist das Literaturbüro.

Bernd Ulrich, geboren 1960 in Essen, ist stellvertretender Chefredakteur und Leiter des Politik­ressorts der ZEIT. Für seine journalistische Arbeit erhielt er 2013 den Henri-Nannen-Preis und 2015 den Theodor-Wolff-Preis. Zuletzt erschien 2017 sein Buch „Guten Morgen, Abendland – Der Westen am Beginn einer neuen Epoche“.

Montag, 9. Dezember, 19.30 Uhr: „Sterben. Warum wir einen neuen Umgang mit dem Tod brauchen“, Palliativmediziner Matthias Gockel im Gespräch mit Jan Ehlert. Wir müssen über den Tod reden. Es nicht zu tun, bedeutet, die Entscheidung darüber, wie wir sterben wollen, anderen zu überlassen. Der Palliativmediziner Matthias Gockel erlebt täglich, wie sehr Verdrängen und Verschweigen einen bewussten Umgang mit dem Sterben blockieren – nicht nur bei Patienten und Angehörigen, sondern auch bei ihren Ärzten.

Matthias Gockel fordert deshalb eine neue Art der Gesprächskultur. Indem er aus seinem Berufsalltag erzählt, macht er nicht nur Mut, sich mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Er gibt zudem wichtige Orientierungshilfen, wie sich in einem zunehmend auf Kostenersparnis ausgerichteten Medizinsystem Entscheidungen treffen lassen, die für ein Sterben in Selbstbestimmung und Würde unabdingbar sind. Dr. med. Matthias Gockel, geboren 1970, ist Internist und leitete von 2009 bis 2017 die Palliativstation im Helios-Klinikum Berlin-Buch. Zuvor hatte er die Palliativstation am Klinikum Großhadern in München mit aufgebaut. Seit 2018 ist er Leitender Oberarzt im Vivantes-Klinikum im Friedrichshain in Berlin.

Mittwoch, 11. Dezember, 19.30 Uhr: LiteraTour Nord, Karen Köhler liest aus ihrem Roman „Miroloi“. Nach ihrem hochgelobten Erzählband „Wir haben Raketen geangelt“ (2014) legt die Schriftstellerin und ausgebildete Schauspielerin, Illustratorin und Theaterautorin nun mit „Miroloi“ einen Roman vor.

Außenseiterin sperrt sich gegen alte Regeln

Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt. Karen Köhler erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Mit Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt „Miroloi“ von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. – Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte. Karen Köhler, 1974 geboren, studierte Schauspiel und arbeitete zwölf Jahre am Theater. Heute schreibt sie Drehbücher, Prosa und Theaterstücke, die bei zahlreichen Bühnen auf dem Spielplan stehen. Für „Miroloi“ erhielt sie unter anderem 2017 ein Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung und 2018 das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds. Sie lebt heute in Hamburg. Moderation: Julia Menzel, Leuphana. lz