Sonntag , 1. November 2020
Autorin Grete Hoops hat ihren neuesten Krimi mitgebracht. Foto: ff

Die plattdüütsche Schrieversche

Lüneburg. Einmal im Jahr, im Herbst, erscheint Grete Hoops, chauffiert von ihrem Sohn, in der Kulturredaktion der Landeszeitung, um für ihr neues Buch zu werben. Da ist sie so zuverlässig wie die Jahreszeiten selbst. Diesmal hat sie „Dat Lösegeld“ mitgebracht, „en schicksalhaften Kriminalroman, op plattdüütsch vertellt“. Es ist bereits der 17. Erzählband der Tarmstedterin, dazu kommen zwei Hörbücher. Ein niederdeutscher Krimi also, eine Erpressung, dazu andere Gaunereien, „aber kein Mord, keine Messerstechereien“, sagt Grete Hoops.

Normalerweise sammelt Grete Hoops, was ihr so erzählt wird in Tarmstedt und Umgebung, daraus entstehen dann ihre anekdotenhaften, geradeaus erzählten Platt-Miniaturen. Die Krimis sind natürlich Ausnahmen. Die Autorin mag keine Grausamkeiten, kein spritzendes Blut, das Sex-and-Crime-Genre ist nicht ihres. Im Fernsehen sieht Grete Hoops am liebsten Miss Marple, also Margareth Rutherford, erinnert sich gern an den TV-Kommissar, also Erik Ode – die alten Krimis eben, „die Schwarzweißfilme hatten Farbe“.

Unglückselige Verkettung von Ereignissen

Nach ihrem Debütkrimi „De ehrboren Lüüd in Flettkaten“ lässt die 84-Jährige nun zwei junge Männer, schuldlos in Not geraten, durch eine unglückselige Verkettung von Ereignissen zu Verbrechern werden. Angelegt ist das 70-Seiten-Buch als Sammlung von kleinen, zusammenhängenden Erzählungen, die sich in ein paar kleinen Geestdörfern abspielen. Die Malerin Iris Rosoll schuf das Titelbild, ein Hund ist darauf zu sehen. Er soll die beiden Täter, die zugleich auch ein wenig Opfer sind, aus dem Schlamassel befreien, aber da verrät die Autorin natürlich nichts Genaueres.

Grete Hoops begann mit 66 Jahren mit dem Bücherschreiben, so entstanden Titel wie „Fierabend op`n Dörpen“ (2012) und „Dat geiht doch narms duller her as oppe Wilt“ (2016). Sie setzt sich für den Erhalt der plattdeutschen Sprache ein, die „plattdüütsche Schrieversche“ (Wikipedia) erzählt in der Mundart des Nordostens von Niedersachsen und richtet sich nach den Regeln des Wörterbuchs von Sass. Wie immer gibt es auch diesmal im Anhang ein Vokabelverzeichnis, in dem zu erfahren ist, dass etwa Stutenweken Flitterwochen sind, und mit dem Hunnenlock das Gefängnis gemeint ist. „Ich habe extra seltene Worte benutzt“, so Grete Hoops, „damit sie nicht vergessen werden.“ Für 2020, hofft die Tarmstedterin, hat sie wieder genug Klatsch und Tratsch für ein verbrechensfreies Buch beisammen.

Grete Hoops: „Dat Lösegeld“, Isensee Verlag, Oldenburg, 70 Seiten, 8,50 Euro.

Von Frank Füllgrabe