Sonntag , 27. September 2020
Starkes Duo: Nathalie Dorra und David Whitley. (Foto: t&w)

Alle Macht dem Soul

Lüneburg. Die 1st Class Session macht sich etwas rarer, viermal im Jahr steigt sie noch. An diesem Abend aber macht sie sich breit. Vier Streicher, drei Bläser, drei Sängerinnen, ein Sänger, dazu Gitarre, Bass, Keyboard und Drums. Gleich zwei Moderatoren betreten die Bühne, und bald kommt Bandleader Alexander Eissele, der stets 30 Sekunden braucht, bis sein Sakko in den Saal fliegt und die Arme des Publikums nach oben. Disco-Soul-Funk-Popschlager stehen auf dem „Soul Meets Classic“-Programm in der Ritterakademie.

Der Saal ist mindestens proppevoll, und mit Chaka Khans Riesenhit „Ain‘t Nobody“ setzt Nathalie Dorra die Zeichen auf Soul. Ihre dunkel timbrierte Stimme holt sich zum Beispiel Udo Lindenberg immer wieder in seine Band. Allein aber wirkt sie noch stärker. Mit ihr steht Madeleine Lang auf der Bühne. Ihre eigenen Titel reihen sich in die NDR-2-taugliche Pop/Schlagerwelt der Forsters und Giesingers ein. Bei den Coverstücken kommt ihre Stimme denn doch besser zur Geltung.

Die Stars am Mikro aber sind zwei andere. Zum einen Cassandra Steen, die eine der gefühlvollsten Stimmen im deutschen Soulpop besitzt und natürlich ihren großen Hit „Ich bau‘ eine Stadt für dich“ anstimmt. Mächtig Stimme und Show verbindet zum zweiten David Whitley, bei seinen Balladen wird es mucksmäuschenstill im Saal. Emotionaler Höhepunkt des Abends: Carol Kings Song „You Got A Friend“, den James Taylor zum Welthit machte. In der Ritterakademie gelingt Steen/Whitley eine sehr schöne, unter die Haut gehende Fassung.

Klassiker von Stevie Wonder über Earth, Wind & Fire bis zu den Jackson Five füllen den Abend. Einmal geht es zurück bis ins Jahr 1964, zu „My Girl“ von den Temptations. Das sorgt durchweg für tolle Stimmung im Saal. Eissele treibt immer wieder zum Mitklatschen an, der Entertainer im Manne ist nicht zu halten, sollte aber vielleicht den SängerInnen nicht zu oft in den Song grätschen.

Die Rockmusiker halten sich an diesem Abend zurück. Session-Mastermind Peer Frenzke startet nur zu wenigen Gitarrenflügen. Bassist Marius Goldhammer und die wunderbar feinfühlig spielende Drummerin Anija Nilles passen sich ein wie Geburtstagskind Lisa Müller an den Tasten.

Eine Menge Dampf und Farbigkeit kommt über die drei Bläser ins Spiel, die Alexander Eissele von seiner Göppinger Lumberjack Big Band in den Norden lotste. Sie geben dem Abend Feuer und wohltuendes Jazzfeeling. Vom Sound her unter geht leider das Streicherquartett mit Musikerinnen der Lüneburger Symphoniker. Sie haben sichtlich Spaß, aber zu hören sind sie leider eher selten. Aber es ist ja Session, da kann nicht alles perfekt sein.

„I‘ll Be There“ heißt es zum Finale. Das dauert noch ein bisschen mit dem Wieder-Da-Sein. Die nächste 1st Class Session in der Ritterakademie startet am 15. November.

Von Hans-Martin Koch