Samstag , 31. Oktober 2020
Detlef E. Aderholt arbeitet mit Strukturen, die dem Zufall eine Ordnung geben. Foto: ff

Konzept, Emotion, Aktion, Zufall, Struktur

Lüneburg. Es gibt Maler/innen, die arbeiten intuitiv, und die mögen auch nicht viel über ihre Arbeiten sagen, die mögen bitte für sich selbst sprechen. Der Lüneburger Detlef E. Aderholt tickt da anders. „Konzeption & Struktur“ heißt seine aktuelle Ausstellung, die bis zum 1. September im Heinrich-Heine-Haus zu sehen ist. Und dazu nennt der Maler fünf Variablen, die den kreativen Prozess bestimmen. Ein starres Programm ist das aber nicht.

Zum Konzept gehört auch der Blick zurück: Die jetzige Präsentation knüpft an die erste von 2011 an, „Spontanität schafft Struktur“. Jetzt spricht Aderholt von „Gewichtsverlagerung“, hin zum Konzept. Nach Idee, Skizze und Kompositon folgt in der Auflistung der Variablen die Emotion, die als Element des Spontanen zu sehen ist. Drittens: Aktion, der Entwurf auf der Leinwand. Viertens: der Zufall als nicht vorherbestimmbares Eingreifen von außen auf den Gestaltungsprozess. Fünftens: die Struktur, das Resultat der Aktion, die nun wiederum der Ausgangspunkt sein kann für eine Idee, ein neues Konzept. Alle fünf Variablen müssen austariert werden, „bis die Struktur einer guten Gestalt erreicht ist und das Bild so bleiben kann“.

Engmaschigkeit der digitalen Welt

So weit der Rahmen. Aber wie sieht das jetzt konkret aus? In der Regel lassen sich auf den ersten Blick ordnende Linien erkennen, die manchmal konkret sind, also etwa ein Gesicht zeigen, sich anderswo als Wege, Leitungen, Datenautobahnen oder Adern deuten lassen. Die Vernetzung ist ein Thema des Malers, der noch ohne Internet aufwuchs, die Engmaschigkeit der digitalen Welt durchaus als Bedrohung empfindet. So spielt sich der Zufall in den Grenzen dieser Ordnung ab, das sind Farbexplosionen, grelle Lavaströme, die zu bizarren Mustern erkalten, manches wirkt arachaisch, wie eine Höhlenmalerei, mehrfach tauchen die Umrisse einer Axt auf.

Zufall oder Konzept, die Arbeiten des promovierten Psychologen werden beachtet, er ist auf Ausstellungen und Kunstmessen in England und in den USA präsent. Gerade wurde Aderholt eingeladen, im Kontext der 58. Biennale Venedig an der Präsentation „Personal Structures“ mitzuwirken, im Palazzo Bembo nahe der Rialtobrücke, und das ist ganz sicher eine gute Adresse. „Shortlisted“, also in die engere Auswahl genommen, wurden seine Arbeiten 2018 und 2019 für die „Summer Exhhibition of the Royal Academy oft Arts London“. Da ist auch der Ehrgeiz zu spüren, den eigenen Horizont zu erweitern, das überlässt der Künstler nicht dem Zufall.

Von Frank Füllgrabe