Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die erste Einsatz von Niklas Schmidt: Im Aufzug liest er jeweils ein Gedicht für einen Gast - und für einen Euro. Foto: ff

Chorführer und Kasperl

Lüneburg. Talent und Beharrlichkeit führen zum Ziel. Achtzehn Mal hat Niklas Schmidt vorgesprochen bei den staatlichen Schauspielschulen des Landes, um das Theaterhandwerk von der Pike auf zu lernen. „Ich bin meistens bis in die letzte Runde gekommen – aber dann hat man mir gesagt, dass ich nicht gebraucht werde“. Geschafft hat er es beim Versuch Nummer neunzehn auf die Hamburger Hochschule für Musik und Theater, geschafft hat es Niklas Schmidt dann vier Jahre später in das Lüneburger Theater.

Bei den Schauspielschulen sind die Klassen klein, nur acht bis zehn Personen, Frauen und Männer gleich verteilt. Es sind schon eigene Ensembles, und da werden eben bestimmte Typen gesucht. Ins Lüneburger Ensemble passt der 1993 im Taunus geborene Schauspieler wunderbar. Er wird bei Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ den Chorführer und einen Polizisten spielen (Premiere am 27. September), bei Alan Ayckbourns Komödie „Schöne Bescherung“ (22. Januar) den attraktiven Clive, in Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ (29. November) den Kasperl.

„Jede Produktion hat ihren eigenen Reiz“

Niklas Schmidt absolvierte nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr am Pfalztheater Kaiserslautern, wurde dort vom Schauspieldirektor gleich am ersten Tag für eine kleine Sprechrolle in „Andorra“ verpflichtet. Anschließend studierte Schmidt zunächst Philosophie und Theaterwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, bevor er zum Schauspielstudium (2015 bis 2019) nach Hamburg wechselte. Bereits während seines Studiums gastierte er am Theater Bremen sowie am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und am Thalia Theater. Dort arbeitete er mit den Regisseuren Friederike Heller und Thomas Birkmeir zusammen. Im Sommer 2019 war er bei den Burgfestspielen Bad Vilbel engagiert.

„Jede Produktion hat ihren eigenen Reiz“, sagt Niklas Schmidt, „und das Publikum reagiert immer anders. Ich habe schon erlebt, dass bei dem gleichen Stück einmal frenetisch gelacht wurde, und am nächsten Tag alle still und konzentriert das Geschehen verfolgt haben.“

Bei dem Theaterfest am Sonntag gibt es eine öffentliche „Biedermann“-Probe, ein zweiter Einsatz führt Niklas Schmidt in den Fahrstuhl: Dort liest er jeweils für einen Besucher ein Gedicht. Es muss kurz sein, denn der Lift führt ja nur von der oberen in die untere Etage.

Von Frank Füllgrabe

Sonntag im Theater

Ein Fest führt in die neue Saison

Das Theater Lüneburg lädt zum Auftakt der neuen Spielzeit zum obligatorischen Theaterfest ein. Der Tag beginnt um 11 Uhr mit dem Familienkonzert „Der kleine Prinz“. Im Großen Haus ist zudem um 12.30 Uhr die öffentliche Probe des Schauspiels „Biedermann und die Brandstifter“ zu erleben. Olaf Schmidt und seine Kompagnie zeigen um 13.45 Uhr ein Ballett-Training. Um 15.30 Uhr findet die Probe der Oper „Orpheus und Eurydike“ statt.

Aufgrund der großen Nachfrage steht im T.3 zwei Mal das Puppentheater „Hilde, Hans und ein bisschen Zwerg“ auf dem Programm (11.30 Uhr / 13 Uhr). Die Trailershows geben einen Vorgeschmack auf die Spielzeit auf der Jungen Bühne (14.30 Uhr / 16.30 Uhr). Auch im T.NT Studio erhalten die Zuschauer einen Überblick über die Stücke, die in dieser Saison dort auf dem Spielplan stehen (13.30 Uhr / 15.30 Uhr). Das Programm wird ergänzt um Backstage-Führungen, Kammermusik und vieles mehr. Zahlreiche Vereine und Initiativen stellen sich mit Info- und Aktionsständen vor. Der Tag klingt mit einer (bereits ausverkauften) Gala und einem Konzert vor dem Theater aus. lz