Donnerstag , 1. Oktober 2020
Gunther Geltinger kommt am 3. September zurück nach Lüneburg. Foto: ff

Über Benzin und Alkohol

Lüneburg. Die nächste Literatur-Stipendiatin Lüneburgs ist Isabelle Lehn, sie wohnt und arbeitet von September bis Oktober zu Gast im Heine-Haus. Im Jahre 2016 erschien der Debütroman „Binde zwei Vögel zusammen“ der 1979 geborenen Autorin. Dieses Jahr folgte „Frühlingserwachen“. Bereits am Dienstag, 3. September, stellt sich Isabelle Lehn ab 19.30 Uhr mit einer Antrittslesung vor. Mit dabei ist ihr Kollege Gunther Geltinger, der im Jahre 2011 als Stipendiat in Lüneburg lebte. Die Moderation übernimmt Martina Sulner.

Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit

Lehn studierte Rhetorik, Ethnologie und und parallel am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Isabelle Lehn schreibt über eine Schriftstellerin namens Isabelle Lehn. Sie ringt mit gesellschaftlichen Erwartungen, Depressionen und einem unerfüllten Kinderwunsch. Um ihre Grenzen zu testen, setzt sie ihre Psychopharmaka ab oder stürzt sich in Alkoholexzesse. Poetisch, selbstironisch und umwerfend offen spielt die Autorin mit den Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Zu welchen Teilen das Buch autobiographisch ist, lässt Isabelle Lehn offen. Gerade diese Unklarheit macht für sie den Reiz des Romans aus.

Gunther Geltingers Debütroman „Mensch Engel“ erschien 2008 bei Schöffling, sein zweiter Roman, „Moor“, 2013 im Suhrkamp Verlag. Sein aktuelles Buch „Benzin“ handelt von Vorurteilen, Vertrauen und Verrat. Geltinger erzählt darin von Vinz und Alexander, die zur Rettung ihrer Beziehung einen Roadtrip durch Südafrika unternehmen. Vinz hofft außerdem auf eine Idee für seinen neuen Roman. Doch das Paar wird in die Widersprüche des Landes gezogen, in dem Armut und Wohlstand aufeinanderprallen und Homosexualität als Tabu gilt. Als sie einen Schwarzen anfahren, verschärfen sich die Spannungen. Der 1974 in Erlenbach am Main geborene Autor lebt heute in Köln.

Weitere Veranstaltungen des Literaturbüros im Heine-Haus:

Montag, 10. September, 19.30 Uhr: Lukas Kummer stellt seine Graphic Novel „Thomas Bernhard: Der Keller“ vor. Es ist der zweite Band der hochgelobten Graphic Novel „Autobiographischen Schriften“: Der Schüler Thomas Bernhard beschließt, sich seinem Leben zu entziehen. Statt weiterhin die Schule zu besuchen, findet er im Keller einer Lebensmittelhandlung am Rande der verhassten Stadt, im Wohngetto der Besitzlosen und Kriminellen, eine Lehrstelle. Er lernt dort die von der Gesellschaft Ausgestoßenen kennen, denen er sich nahe fühlt, und er lernt erstmals, was es heißt, angenommen zu werden und „nützlich“ zu sein.

Graphic Novel über Thomas Bernhard

Der Alltag im „Keller“ erweist sich als heilsam, die „Vorhölle“ wird zur „Zuflucht“, bis eine schwere Krankheit Bernhards Lehre ein jähes Ende setzt. Für den erzählerischen Ton des Autors findet Lukas Kummer hier eine aufgelockerte Bildsprache. Er begleitet Thomas Bernhard mit präzisem Strich durch diese vielleicht hellste Zeit seiner Jugend. Lukas Kummer, geboren 1988 in Innsbruck, zog 2007 nach Kassel, um an der Kunsthochschule Illustration und Comic zu studieren. Er war als Meisterschüler ein Jahr bei Hendrik Dorgathen. Lukas Kummer arbeitet heute als freier Illustrator und Comiczeichner. Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Fanzines. Seine erste Graphic Novel „Die Verwerfung“ erschien 2015, „Die Gotteskrieger“ 2017 und zuletzt 2018 „Die Ursache“. Moderation: Jakob Hoffmann.

Mittwoch, 18. September, 19.30 Uhr: Reihe „Grenzenlos 2019“ – Norwegen, Erik Fosnes Hansen liest aus „Ein Hummerleben“. Norwegen ist in diesem Jahr Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Mit dem Roman „Choral am Ende der Reise“ wurde der norwegische Autor Erik Fosnes Hansen 1996 international bekannt und war damals erstmals in der Reihe „Grenzenlos“ zu Gast. Erik Fosnes Hansen, 1965 in New York geboren, wuchs in Oslo auf, wo er heute lebt. Seinen ersten Roman „Falkenturm“ schrieb er im Alter von 18 Jahren, das Buch wurde gleich nach seinem Erscheinen 1985 in Norwegen als literarisches Ereignis gefeiert. „Ein Hummerleben“ ist eine Geschichte über Lügen, Geheimnisse, falsche Erwartungen und großelterliche Liebe.

Von Frank Füllgrabe