Charlotte Pfeifer spielt in Wettenbostel Shakespeare. Thomas Matschoß hat ein Stück rund um den Dichter geschrieben. Foto: oc

Shakespeare kommt auch

Bostelwiebeck/Wettenbostel. Was kamen nicht alles schon für Weltberühmtheiten nach Wettenbostel?! Der Graf von Monte Christo kämpfte um seine Ehre, Dracula um frisches Blut. Professor Dr. Dr. Alfred Holzmacher-Stockton schuf seinen Weltbestseller „History of Lagerfeuer“, und Hamlet sah, dass etwas faul ist im Staate. Es wurde geliebt, betrogen, gehasst und auch gesungen.

Zum Finale ab 25. Juli wird es wirklich final. Das Jahrmarkttheater hat im zwölften und letzten Wettenbostel-Jahr „Shakespeares letzte Worte“ gefunden und wird „die endgültige Komödie“ aufführen.

"Das Dubiose gefällt mir“

Was mit Shakespeares „Was ihr wollt“ auf dem idyllischen, weitläufigen Hof von Maria Krewet begann, rundet sich also. Wieder ist Shakespeare dran, diesmal sogar leibhaftig, denn er lebt schon lange dort auf dem Hof, unerkannt. Nun soll er der berühmten Reisetruppe ICT – International Craftsman Theatre – zu einem tollen Stück verhelfen. Doch kann Shakespeare so etwas überhaupt? Es gibt ja Theorien, denen zufolge gar nicht er, sondern Mary Sidney Herbert, die Countess of Pembroke, all die Dramen geschrieben hat. Oder Shakespeares Frau Anne Hathaway. Möglicherweise auch Aemelia Bassano, eine britische Autorin mit venezianischen Wurzeln. Oder war es ein anderer? Oder doch er selbst?

„Ich mag es, dass es nicht so eindeutig ist, ob Mann oder Frau. Das Dubiose gefällt mir“, sagt Charlotte Pfeifer. Sie ist Autorin, Regisseurin, war mit ihrem Stück „Meerschwein GbR“ und dem Kinderstück „Die Wizards von Wiss“ Gast beim Jahrmarkttheater. Nun spielt sie Shakespeare. Der – oder die? – habe ja angeblich auch alles gemacht: schreiben, inszenieren, spielen.

Mal drastisch, mal plakativ

Sie werden in Wettenbostel noch einmal das Theater feiern, mit Lust, Spott und Musik. Shakespeare wird zum Beispiel Samuel Beckett treffen und ihm seinen unfertigen „Godot“ vorstellen. Brecht wird auftauchen, ganz kurz auch Goethe. „Aber das Stück verlässt nie den Bereich des modernen Volkstheaters“, sagt Dramaturgin Andrea Hingst, eine vom inneren Kern des Jahrmarkttheaters. Es darf wie zu Shakespeares Zeit mal derbe sein, mal drastisch, mal plakativ, aber nie doof.

Ein Thema, das hinter der reinen Handlung steht, ist Aufbruch. Das kann der sein, der sich mit dem Abschied aus Wettenbostel verbindet. Nach zwölf Jahren will das Team um Thomas Matschoß und Anja Imig Neues versuchen und das nach Möglichkeit am Stammsitz Bostelwiebeck. Ein Gespräch mit den Dorfbewohnern gab es gerade. Aber hinter dem Begriff Aufbruch verbirgt sich ja weit mehr. Es könnte sehr politisch werden.

Mittags gibt es an der langen Tafel Suppe

Das Team wird den ganzen Hof nutzen, den Teich, die Insel, die Kutsche, lauter Spielorte der vergangenen zwölf Sommer. Langjährige Mitstreiter werden auftreten, etwa Anna Sinkemat. Markus Voigt schreibt wieder Musik.

Die Proben starteten wie in jedem Jahr in Bostelwiebeck, dort steht das Stammhaus des Jahrmarkttheaters. Es hat dort etwas Familiäres, mittags gibt es an der langen Tafel Suppe, Eis und hinterher einen Espresso oder „Plörre“, was tatsächlich aber ganz normaler Kaffee ist. Dann wird weiter an Shakespeares letzten Worten gefeilt. Mittlerweile erhält das Stück in Wettenbostel seine Bühnereife. Gespielt wird vom 25. Juli bis 24. August.

Von Hans-Martin Koch

Eine Wettenbostel-Statistik

Zahlen aus zwölf Jahren

Anja Imig hat nachgezählt und aufgelistet:

  • 17 Produktionen, davon vier für Kinder, zusätzlich vier Gastspielproduktionen.
  • 255 Vorstellungen mit mehr als 44 000 Zuschauenden; keine ausgefallene Vorstellung. Die Auslastung liegt somit bei circa 90 Prozent.
  • 55 Schauspieler*innen, 27 Musiker*innen, 36 weitere Mitarbeiter*innen, 467 Kostüme, 23,5 Kilometer verlegte Lichtkabel, siebenmal wurde der Teich entschmoddert.
  • 367 Wagenladungen Supermarkt, unter anderem 512 Tafeln Schokolade, 362 Pakete Spaghetti, 73 Kilo Tomaten, 120 Liter Sojamilch.

Die schönste Zahl: Drei Kinder von Mitarbeitenden wurden geboren.