Sonntag , 25. Oktober 2020

Ein Bild sucht ein neues Zuhause

Lüneburg. Originalgemälde als Dauerleihgabe zu vergeben – normalerweise ist es kein Problem, Interessenten zu finden. Aber wenn das gute Stück Kunst drei mal drei Meter misst, schon. So geht es derzeit der Arthur und Georgie Illies Familienstiftung mit dem Bild „Alsterlandschaft“, das der Hamburger Maler um 1908 geschaffen hat. Aufgrund der Größe passt es leider auch nicht ins stiftungseigene Archiv, beklagt Hans-Christian Schimmelpfennig, Vorstandsvorsitzender der Stiftung.

Derzeit hängt es in etwa acht Metern Höhe in der Kulturbäckerei, wo im Herbst vergangenen Jahres eine Ausstellung zu dem umfangreichen Werk des norddeutschen Malers zu sehen war. Leider sei es seit geraumer Zeit verhüllt, da durch ein Deckenfenster zuviel Licht auf das Gemälde falle, erläutert Schimmelpfennig. Und das ist natürlich alles andere als gut für den Erhalt des Bildes.

Dozentur an der Hamburger Kunst- und Gewerbeschule

Arthur Illies erblickte 1870 als Sohn einer Hamburger Kaufmannsfamilie das Licht der Welt. Kam über seine Ausbildung zum Dekorationsmaler auf die Spuren der Kunst. Nach Studienzeiten in München kehrte er nach Hamburg zurück, wo ihn vor allem der Direktor der Hamburger Kunsthalle förderte. Bald bezog Illies ein eigenes Atelier und unterrichtete die feinen Damen der Gesellschaft in seiner Malschule. Später sicherte ihm zudem eine Dozentur an der Hamburger Kunst- und Gewerbeschule die Existenz. In der NS-Zeit verlor er seine Professur und zog 1934 enttäuscht nach Ochtmissen, später nach Lüneburg, wo er 1952 verstarb. Seine jüngste Tochter Anke Maria Müller-Illies gründete die in Lüneburg ansässige Stiftung.

Doch zurück zur physischen Größe einiger Erbstücke: Der Unternehmer und Kunstsammler Henry Bernhard Simms war ein großer Illies-Fan und erwarb 14 Bilder aus der Alstertal-Serie. Genau dieser Kunstfreak war es, der großformatige Wandbilder für seine neue Villa in der Hamburger Hedwigstraße in Auftrag gab. Neben der neun Quadratmeter großen Alsterlandschaft entstanden auch die „Alsterschwäne“, ein extremes Querformat von vier Metern Breite.

Nun muss ein passenderer Ort her

Die „Alsterlandschaft“ landete laut Schimmelpfennig Jahre später bei der Deutschen Telekom, bevor die Stiftung es 2004 dank einer Spende selbst erwerben konnte. Es blieb in der Hansestadt, hatte gut zehn Jahre in der Bucerius Law School einen Platz. „2010 war es Teil einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, wo es unter den Werken bekannter Maler als der ,eyecatcher‘ hing“, berichtet Schimmelpfennig stolz. 2016 kam es als Leihgabe in die Kulturbäckerei. Und nun muss ein passenderer Ort her, denn in Sachen Sonnenschutz konnte laut Stiftung keine Einigung erzielt werden. Wer helfen kann, melde sich via Email: schimmelpfennig.lueneburg@gmx.de

Dank der Stifterin Anke Marie Müller-Illies umfasst die Sammlung der Stiftung rund 210 Werke, etwa 50 davon sind jedoch restaurierungsbedürftig. Wer als Pate für die Wiederherstellung eines Gemäldes sorgt, kann es für mindestens zehn Jahre als Leihgabe bei sich aufhängen.

Von Dietlinde Terjung