Mittwoch , 12. August 2020
Sie werben für das neue Programm: Volker Degen-Feldmann (Verwaltungschef), Sabine Bahnsen (Leiterin Junge Bühne), Olaf Schmidt (Ballettdirektor), Hilke Bultmann (Leitende Dramaturgin), Friedrich von Mansberg (Chefdramaturg), Hajo Fouquet (Intendant) und Thomas Dorsch (Generalmusikdirektor). Foto: t&w

Nieder mit Christoph W. Gluck!

Lüneburg. Claude Debussy forderte: „Nieder mit Gluck“. Hector Berlioz und Richard Wagner dagegen machten ihn zu ihrem Helden. Heute herrscht weitgehend Einigkeit: Christoph Willibald Glucks Oper „Orpheus und Eurydike“ nach dem Libretto von Ranieri de’ Calzabigi, 1762 in Wien uraufgeführt, ist ein stilbildendes Meisterwerk, das weit in die folgende Zeit hinein strahlte. Ein angemessenes Stück also für den Auftakt der nächsten Saison des Theaters Lüneburg.

Ein Reigen seliger Geister

Am Sonnabend, 21. September, hebt sich der Vorhang im Großen Haus für die erste Premiere 2019/20, die Wiederaufnahme von „The Black Rider“ am 8. September zählt in diesem Zusammenhang nicht. Gluck und de’ Calzabigi hatten sich zum Ziel gesetzt, die italienische Oper zu reformieren. Es ist wohl kein Zufall, dass die beiden dafür ausgerechnet den Stoff der Orpheus-Sage wählten, der von der Macht des Gesangs und der Musik generell handelt: Claudio Monteverdi hatte 150 Jahre zuvor mit L’Orfeo, mit der gleichen Geschichte aus der Antike also, ein Werk uraufgeführt, das eine der ersten schriftlich überlieferten Opern nach heutigem Verständnis ist.

An vielen Merkmalen zeigt sich, wie Gluck die moderne Oper entwarf: Der Komponist benutzte etwa durchgängig „Accompagnati“, also vom ganzen Streichorchester begleitete Rezitative, die bisher nur in besonderen Momenten verwendet wurden. Die Arien sind nicht mehr in strenge Form gegossen, sondern folgen der Dramaturgie des Textes. Die bekanntesten Stücke aus der Oper sind die Ouvertüre, das Klagelied des Orpheus „Ach, ich habe sie verloren!“ und der „Reigen seliger Geister“, eine Ballettnummer im zweiten Akt.

Hier kommt Ballettchef Olaf Schmidt ins Spiel, der die Oper inszenieren und choreographieren wird, die musikalische Leitung hat Thomas Dorsch. Es ist, nach der „Carmina Burana“ und „Schlafes Bruder“, die dritte gemeinsame Arbeit von Opern- und Ballettensemble.

Erinnerung an Gene Kelly

Das zweite große Projekt der Sparte Musiktheater hat einen ganz anderen Tonfall: „Singin‘ in the Rain“ gilt – wir erinnern uns an den göttlichen Gene Kelly! – vielen als der beste Musicalfilm aller Zeiten. Unter der musikalischen Leitung von Ulrich Stöcker ist wiederum Olaf Schmidt gefragt, und zwar schon jetzt: „Singin‘ in the Rain“ feiert bereits am Sonnabend, 29. Juni, Premiere, also noch in der laufenden Saison, der Auftakt ist fast ausverkauft. Und noch so ein Klassiker, bei dem einem sofort eine Melodie ins Ohr kriecht: Das Musical „Doktor Schiwago“ feiert am 16. November im Großen Haus Premiere. Bereits am 25. Oktober kommen die jungen Zuschauer zu ihrem Recht, dann startet auf der Jungen Bühne T.3 das Musical „Grimm!“.

Ebenfalls an junge Leute richtet sich die erste Schauspiel-Premiere 2019/20: „Tigermilch“ nach dem Roman von Stefanie de Velasco ist die Geschichte zweier enger, lebenslustiger Freundinnen, die Zeuge eines Mordes werden, zu erleben ab 26. September (T.3). Bereits am 14. September ist Wiederaufnahme von „Konstellation“, Premiere feiert die Inszenierung von Matthias Herrmann bereits am über-über-nächsten Freitag, also am 17. Mai.

Blick zurück nach vorn

Und noch ein Blick auf das Ballett: „Der kleine Prinz“ kommt als Wiederaufnahme am 10. Oktober auf die Bühne, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ folgen am 2. November, die erste echte Premiere ist erst am 18. Januar: Olaf Schmidts „Caravaggio“.

Der Blick zurück nach vorn: Am Freitag, 3. Mai, spielen „Die Mimetten“ erstmals ihre Collage „Arbeit macht das Leben“ (es gibt noch Restkarten) im Studio, die Woche darauf öffnet im T.3 „Der kleine Horrorladen“, die Premiere ist ausverkauft.

Von Frank Füllgrabe