Mittwoch , 12. August 2020
Kurator Dr. Ulfert Tschirner präsentiert einen Globus, der auf der erdabgewandten Seite kahl geblieben ist. Foto: t&w

Vom Zauber des Mondes

Lüneburg. Platz machen hieß es jüngst im Museum Lüneburg, und zwar für Johann Abraham Peter Schulz. Innerhalb der Abteilung Lüneburger Erinnerungsorte wird dem Lüneburger Komponisten eine Ausstellung gewidmet, die am Sonntag um 11.30 Uhr von Museumsdirektorin Prof. Dr. Heike Düselder und Oberbürgermeister Ulrich Mädge eröffnet wurde.

Der Mond im Fokus

Doch es geht nicht allein um den Komponisten des berühmten Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“ des Dichters Matthias Claudius, sondern auch um das Thema Mond und die Sicht auf diesen Erdtrabanten im Wandel der Zeit.

Gleich zu Beginn des Rundgangs fällt ein Mondrelief-Globus aus dem Jahre 1964 ins Auge, der sich dreht und dabei die dunkle, unbekannte Seite des Mondes, zeigt. Die, die erst mit der Apollo-Mission 1969 erhellt wurde. „Damit war dieser Globus schlagartig veraltet“, schmunzelt Kurator Dr. Ulfert Tschirner. Obwohl der Mond heute kein ganz Unbekannter mehr ist, liegt ihm noch immer ein romantischer Zauber inne.

Das vermittelt auch die Licht- und Klanginstallation, die auf eine Wand einen funkelnden Sternenhimmel projiziert, die Mondphasen vorüberziehen und bei Vollmond das Abendlied ertönen lässt. Dem wissenschaftlichen Blick auf den Mond folgt die Zeit der ersten Lebensjahre des berühmten Sohnes der Stadt: Ein Einwohnerverzeichnis belegt, dass Johann Abraham Peter Schulz, geboren 1747, in der Oberen Schrangenstraße zu Hause war und sechs Geschwister hatte. Da war Lüneburg mit gerade mal 9000 Einwohnern noch „ein verschlafenes Nest“, erklärt der Kurator. Michaelis-Chor-Hefte, Noten seines Lehrmeisters Johann Christian Schmügel und ein Bild einer Weihnachtskantilene des Johanneums, wo Schulz einst die Schulbank drückte: Alles Dinge, die das Umfeld des späteren Komponisten prägten.

Von Lüneburg in die Welt

Sein Vater, ein Bäcker, hätte ihn gerne als Pastor gesehen, heißt es, förderte daher die schulische Ausbildung, sei aber weniger begeistert von den musikalischen Ambitionen seines Filius gewesen. Die Lehr- und Wanderjahre sowie die Karriere sind die nächsten Stationen der Ausstellung: Berlin, Polen, Hofkapellmeister auf Schloss Rheinsberg, dann am Hofe in Kopenhagen.

Exponate geben einen Eindruck von Sitten und Moden des Zeitalters der Aufklärung und symbolisieren die Themen der Liederwelten. Dazu gehört ein Clavichord. Das Tasteninstrument von 1748, eine Leihgabe des Leipziger Museums für Musikinstrumente, stammt aus der renommierten Hamburger Werkstatt Hass. Eine nette Geschichte aus der Zeit der Galanterie und Sinnenfreudigkeit erzählt eine Wandtapete, die mal ein Haus an der Schröderstraße schmückte: Eine junge Dame aus vornehmem Hause trifft sich heimlich mit einem Verehrer im Park. Der Galan eilt aus Sorge, dass das edle Kleid der Angebeteten im Garten Schaden nehmen könnte, mit einem Teppich herbei. Doch diese unromantische Fürsorge kommt bei der Holden gar nicht gut an, und so jagt sie den Verehrer zum Teufel.

Ein Bild der Cholerakammer im Lüneburger Rathaus thematisiert die gesundheitlichen Probleme der Zeit, die auch Schulz und seine Familie trafen. Die Suche nach einem Arzt für die Behandlung seiner Tuberkulose führte zurück in die Heimatstadt. Bald ging es ihnen besser, doch der behandelnde Arzt folgte einem Ruf nach Hannover, und so zogen die Schulzes weiter. Schließlich wird Schwedt an der Oder in der Uckermark die letzte Lebensstation des engagierten Musikers, der sich für Volksbildung durch Musik stark machte.

Veranstaltungstermine

Rund um J.A.P. Schulz

28. April, 14:30 Uhr
Der Mond ist aufgegangen. Sonntagsgeschichte, Themenführung mit Dr. U. Tschirner.

12. Mai, 19:00 Uhr
Klavier-Soirée – Eine musikalische Reise durch Europa.

19. Juni, 19:30 Uhr
Der Briefwechsel zwischen J. A. P. Schulz und Johann Heinrich Voß. Lesung der Leuphana und der IGS Lüneburg, mit Musik.

23. Juni, 14:30 Uhr
Ein Stadtrundgang auf den Spuren von J.A. P. Schulz

29. Juni, 14:30 – 16:00 Uhr
Mit Klang den Mond begrüßen – konzipiert für Kinder von 6-12 Jahren

22. August, 19:30 Uhr
Konzert auf der Glasharmonika, Bruno Kliegl, Augsburg.

von Dietlinde Terjung