Samstag , 19. September 2020
Ein Abend der Duette war die Tanzgala, die jetzt im Theater Lüneburg zugunsten der Alzheimer Gesellschaft stattfand. Foto: phs

Wenn die Balance aus dem Takt gerät

Lüneburg. Es war ein Abend der Duette, der großen Gefühle, der Liebe, Leidenschaft und ihren Abgründen. Und ein Abend großartiger, hochkarätiger Tanzkunst, der den Duetten die Zeit einräumte, die sie ansonsten nicht oft auf der Bühne haben. Ausverkauft war das Lüneburger Theater am Sonnabend bei der dritten internationalen Tanzgala zugunsten der hiesigen Alzheimer Gesellschaft. Die Künstler, unter ihnen neben dem aktuellen Lüneburger Ensemble viele „Altbekannte“, verzichteten auf ihre Gagen. So bedeutete der Abend für Ballettdirektor Olaf Schmidt, der gemeinsam mit Merle Hoch moderierte, auch ein Wiedersehen mit ehemaligen Tänzern.

Viel Drama und viel Leidenschaft

Den beschwingten Auftakt des dreieinhalbstündigen Abends machte das Lüneburger Ensemble zu „La Mer“, präsentierte das verspielte und vorwitzige Leben unter Wasser. Anschließend ging es überwiegend leidenschaftlich und dramatisch zu: Die Spielarten der Liebe wurden mit großer Passion zelebriert; das sich Finden und Verlassen, sich Verlieben und Entfernen, das sich Hingeben und Zerfleischen. Viele Künstler präsentierten eigene Choreographien wie Katerina Vlasova und Amadeus Pawlica oder Anibal dos Santos und Fanni Esterházy oder Julia Cortes und Francesc Marsal mit ihrem großartigen Tango.

Die Imperfect Dancers aus Italien begeisterten mit „Istante“, einer Choreographie, die eigens für die Internationale Benefiz-Tanzgala in Stuttgart 2009 entwickelt wurde. „Es ist der Versuch, sich in die Kranken und ihre Angehörigen hineinzuversetzen“, erläuterte Schmidt. Wer selbst mit Demenzkranken zu tun hat, erkannte sich und die Angehörigen in dem Tanz wieder. Die Balance, die aus dem Takt gerät, kleine unkontrollierte Bewegungen, die zu großen werden, der Versuch, das Gleichgewicht wieder herzustellen, indem man stützt und trägt, eine Last, die auch mal zu schwer werden kann.

Für die Alzheimer Gesellschaft wurden deren Vorsitzende Kerstin Löding-Blöhs und Stellvertreter Sven Hagen auf die Bühne gebeten. Vor 22 Jahren hat Löding-Blöhs die Gesellschaft gegründet, sie bedankte sich bei den Künstlern, den Lions-Clubs Lüneburg und Lüneburg-Ilmenau und vor allem bei Olaf Schmidt für die großzügige Unterstützung. „Wir versuchen, die Angehörigen zu entlasten, indem wir etwa eine Tagesbetreuung oder Hilfe zu Hause anbieten. Und wir haben auch gemeinsame Angebote für Kranke und Angehörige, zum Beispiel das Cafékonzert im Glockenhaus. Demnächst wollen wir für alle gemeinsam Nordic Walking anbieten, da Bewegung wichtig ist.“

Amüsante Einlage der Oberzicke

Bewegung als perfekte Körperbeherrschung in Synchronie präsentierten Tu Hoang und Tuan Tran in Hoangs Choreographie „Trial“. Zuvor hatte Júlia Cortéz in einer herrlich amüsanten Nummer die Oberzicke gegeben: „Peter“ (Anibal dos Santos) machte einfach alles falsch: die Streckung des Arms, die Hebung der Diva, noch nicht einmal im Kreis konnte er tanzen, Madame trat entnervt ab. Abschließend legten die „cowgirls“ des Mecklenburger Staatstheaters eine temperamentvolle Show auf die Bühne und präsentierten einen Ausschnitt aus „Andy – Superstar“.

Ein viel bejubelter Tanzabend der großen Gefühle mit exquisiten Darbietungen ging unter lang anhaltendem Applaus zu Ende und wird sicherlich nicht der letzte gewesen sein, der für die Alzheimer Gesellschaft ausgerichtet wurde.

Von Silke Elsermann