Dienstag , 20. Oktober 2020
Clemens Bütje spielt die Instrumente mit dem größten Wumms bei den Lüneburger Symphonikern. Für „Gold“ hat er auch erheblich feinere Instrumente am Start. Foto: ff

Kieselsteine für Jakob

Lüneburg. Schlagwerker stehen mit ihrem ganzen Instrumentarium im Orchester ganz oben, ganz hinten, und genießen öfter mal ein Atempäuschen – kaum eine Sinfonie fordert wirklich unausgesetzt ihren Einsatz. Wenn Clemens Bütje am Freitag zur Premiere der Kinderoper „Gold“ von Leonard Evers antritt, dann ist das ganz anders. Denn das Werk wird getragen von der Sopranistin Luise Hansen – und eben von Clemens Bütje, der mit Marimbaphon und Vibraphon, mit Trommeln, Becken, Woodblocks, TamTam und Melodica, nicht zuletzt mit einem Holzbehälter voller Kieselsteine eine ganze Märchenwelt errichtet.

Grundlage der Inszenierung ist „Die Geschichte vom Fischer und seiner Frau“ in einer modernen Fassung: Jacob und seine Eltern leben am Strand (die Kieselsteine!), sie sind so arm, dass sie sich nicht einmal eine Wohnung leisten können. Als Jacob jedoch beim Angeln einen Fisch fängt, sagt der zu ihm: „Bitte sehr, wirf mich rein ins Meer! Wirf mich rein und lass mich leben; was Du wünschst, will ich Dir geben!“ Erst ist Jacob zu verdutzt, um sich etwas zu wünschen, tatsächlich wirft er den Fisch zurück ins Wasser. Aber nachts, da fällt ihm plötzlich ein: Ein neues Paar Schuhe könnte er wirklich gut brauchen. Doch dabei bleibt es nicht, Raffgier und schließlich Größenwahn der Eltern führen zu bizarren Wünschen bis hin zu einem Schloss samt Personal, natürlich kann das nicht gutgehen.

„Ich konnte einfach nicht anders“

Für Clemens Bütje ist die rund fünfzigminütige Kinderoper ein Heimspiel: Er wurde in Lüneburg geboren, erhielt hier seinen ersten Schlagzeugunterricht an der Musikschule. Dass er eines Tages ein professioneller Schlagwerker sein wird, hat er nie in Zweifel gestellt, die Eltern offensichtlich auch nicht: „Ich habe schon als kleines Kind getrommelt, ich konnte einfach nicht anders.“

Sein Studium begann er 2010 an der Musikhochschule Lübeck, bevor er 2015 an die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin zu Prof. Schindlbeck und Prof. Seegers wechselte, beides Berliner Philharmoniker, das Prüfungs-Konzert für den Master steht noch aus. Dafür musizierte er bereits mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Kent Nagano, Michail Jurowski und Lothar Zagrosek. Aushilfstätigkeiten führten ihn zu Orchestern wie dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt/Oder und dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck. Seit der Spielzeit 2017/2018 ist er Solo-Pauker und Schlagzeuger der Lüneburger Symphoniker.

Für Zuschauer ab sechs Jahren

„Gold“ feiert am Freitag, 5. April, um 10 Uhr Premiere auf der Jungen Bühne T.3 und steht bis zum 26. Mai auf dem Spielplan. Das Stück ist konzipiert für Zuschauer ab sechs Jahren, inszeniert von Kerstin Steeb, sie hat bisher unter anderem an der Hamburgischen Staatsoper, dem Opernloft Hamburg und dem Theater Pforzheim gearbeitet. Für das Bühnen- und Kostümbild zeichnet Barbara Bloch verantwortlich. Clemens Bütje hat die Musikalische Leitung inne und übernimmt – als Gegenüber von Luise Hansen – einige Sprechpassagen. Vorgeschrieben hat Komponist Leonard Evers übrigens auch den Einsatz einer Lochkarten-Spieluhr. Ein angemessenes Instrument fand der Schlagwerker im Spieluhren-Museum Utrecht.

Von Frank Füllgrabe