Freitag , 23. Oktober 2020
Die Autorin Annette Pehnt erzählt am 3. April, was sie mit der Insel Amrum verbindet, Kollege Jaroslav Rudiš stellt am 3. Juni „Winterbergs letzte Reise“ vor. Fotos: Henning Kaiser, Peter von Felbert

Schampus für die Pferde

Lüneburg. Zu Inseln, Champagner trinkenden Pferden, zu einer letzten Reise und zu dem Thema Herkunft führt das neue Programm in der Reihe „Ausgewählt“. Das Lüneburger Literaturbüro eröffnet den Zyklus am Mittwoch, 3. April, 19.30 Uhr im Heinrich-Heine-Haus mit einer Lesung von Annette Pehnt und Mirko Bonné. Martina Sulner wird den Abend, an dem die Titel „Mein Amrum“ und „Mein Fehmarn“ (Mare Verlag) im Mittelpunkt stehen, moderieren.

Reflexionen über Liebe und Erinnerung

Seit vielen Jahren zieht es die gebürtige Kölnerin Pehnt immer wieder nach Amrum. In ihrer poetischen Inselgeschichte erkundet sie nun, wie ihre Liebe zu dieser kleinen Nordseeinsel entstanden ist. Sie schreibt über den Zauber von Anfängen und Aufbrüchen, über Veränderungen, übers Ankommen, Sich-Verirren und Zu-sich-selbst-Finden. Dass Inseln auf die 51-Jährige eine eigentümliche Anziehungskraft ausüben, hat sie bereits in einem ihrer ersten Werke, dem Roman „Insel 34“ (2003), einfühlsam thematisiert. Einer ganz anderen Insel widmet sich Mirko Bonné: „Fehmarn ist die Insel der leuchtend hellen Seite meiner Kindheit und Jugend, der Ort, wo die Liebe zum Leben in mir erwacht ist.“ Vielleicht ist es der Gegensatz zu Tegernsee, dort erblickte er 1965 das Licht der Welt, der Grund, warum er seine Reflexionen über Freundschaft, Erinnerung und Liebe auf dieser Insel festmacht. Zwar lebt der Autor und Übersetzer seit seinem zehnten Lebensjahr in Hamburg, doch zog er immer wieder hinaus in die nahe und weite Welt.

Protagonistin der Gegenwartslyrik

In der Woche darauf, am Dienstag, 9. April, steht die Lyrik im Mittelpunkt. Monika Rinck, eine der herausragenden Protagonistinnen der Gegenwartslyrik, stellt im Gespräch mit Michael Braun den Band „Champagner für die Pferde“ vor, ein Streifzug durch ihr Gesamtwerk. Es versammelt Gedichte, Essays und Kurzprosa aus mehr als 20 Jahren. Es geht um Witz und Literatur, um Liebe und Freundschaft, Schwimmen und Schlafen, Glück und Erschöpfung. Der Titel geht auf eine Marotte von Marilyn Monroe zurück. Die Diva soll stets nur aus frisch geöffneten Champagnerflaschen und nur das erste Glas getrunken haben, sodass es immer Champagner für alle gab, selbst für die Pferde. Rinck, geboren 1969, studierte Religionswissenschaft, Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Bochum, Berlin und Yale, lebt heute in Berlin. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis 2013 und dem Kleist-Preis 2015, in diesem Jahr erhält sie den Ros­witha-Preis der Stadt Bad Gandersheim, zudem hatte sie die Lichtenberg-Poetikdozentur Göttingen inne und ist Kuratorin des Festivalkongresses „Fokus Lyrik“ in Frankfurt am Main.

Weiter geht es am Montag, den 3. Juni: Der aus Tschechien stammende Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker Jaroslav Rudiš, hat mit dem Roman „Winterbergs letzte Reise“ sein erstes Buch auf Deutsch veröffentlicht. Darin geht es um den Altenpfleger Jan Kraus, der aus dem Böhmerwald stammt. Seine Kindheitserinnerungen bringen einen seiner Patienten in Fahrt. Denn nicht nur Kraus, auch Winterberg hat ein Geheimnis. Der Sudetendeutsche bringt Kraus dazu, auf alten Spuren zu wandeln, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe. Autor Jaroslav Rudiš ist vor allem durch Romane „Grand Hotel“, „Nationalstraße“ sowie „Alois Nebel“ bekannt geworden, denn diese dienten auch als Filmvorlagen.

Irrungen, Wirrungen

Zum Abschluss des ersten Literatur-Halbjahrs kommt am Donnerstag, 13. Juni, Saša Stanišić ins Heine-Haus. Der 41-Jährige stellt seinen vierten Roman vor, der den schlichten Titel „Herkunft“ trägt. Gemeint ist die Tatsache, dass jeder Biografie ein Zufall zugrunde liegt: der Geburtsort. Stanišić kam in Bosnien zur Welt. Viele Irrungen und Wirrungen führten ihn nach Heidelberg, wo der Flüchtling in der Obhut seines Onkels Deutsch lernte, das Abi machte und schon früh sein schriftstellerisches Talent auffiel. Der Autor, der heute in Hamburg lebt, hatte es mit „Vor dem Fest“ (2014) auf die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft. die