Sonntag , 27. September 2020
Markus Krebs macht Comedy der eher rustikalen Art. Foto: phs

Der Mann mit dem Bauch

Lüneburg. Barhocker, Bier, Wollmütze, Sonnenbrille, das sind die Markenzeichen für das proletarische Outfit. Markus Krebs, der Mann mit Bauch, schwadroniert sich durch die Untiefen des ganz normalen Alltags dieser Republik. Soleier hier, Flüchtlinge dort, dazwischen der üble Kater nach einer heftigen Zechtour, deftige Tipps, um sich ungeliebter Frauen zu entledigen, Körperwinde geruchsintensiv zu verströmen oder Facebook zu analysieren.

Die Kneipe ist stets sein Dreh- und Angelpunkt. Sie ersetzt als Lernlabor die Schule und erweist sich als Epizentrum deutschen Humors. Markus Krebs forscht darin akribisch und schafft es mit seiner Expertise und wenigen Zutaten selbst große Säle zu füllen, das Publikum zu enthusiasmieren. Bei seinem Gastspiel tobte im restlos ausverkauften Lüneburger Kulturforum die Scheune.

Pointen-Fließbandproduzen

„Pass auf…kennste den?!“ heißt sein aktuelles Programm. Er spart dabei nichts aus. Krebs entpuppt sich als Pointen-Fließbandproduzent. Eine wahre Witzmaschine, die in Endlosschleife alles raushaut, was irgendwie komisch sein kann. Grenzen des guten Geschmacks überspringt er hemmungslos, kein Thema bleibt vor seinem Mund tabu. Mit schnodderiger Ruhrpott-Schnauze quirlt er seine An- und Einsichten in prallster Comedian-Manier durch den bestens geölten Gag-Mixer, verliert sich manchmal in dramaturgischer Absicht für knappe Momente, bevor eine weitere Tirade startet.

Markus Krebs nimmt das Metier mit Argusaugen unter die Lupe. „Ich habe immer viel Scheiße erzählt“, bekennt er und philosophiert anschließend ausgiebig über die Kunst des perfekten Witzes. Kurz vor allem muss er sein, prägnant in den Bildern. Dann schleudert er die Beispiele mit verbalem Schmackes ins Parkett, von Blondinen, Löwenjägern und alkoholgeschwängerten Exzessen, die jeden Rest an Prüderie in den Orkus schmeissen. Eigentlich will er nur die persönlichen Top Five preisgeben, doch es werden gefühlt mindestens 100: Winzige Augenblicke individuellen Missgeschicks, scheinbar unfreiwilliger Komik oder abgründiger Verzweiflung. Die Miniaturgeschichten platziert er punktgenau, zum höchsten Vergnügen seiner aufmerksamen Zuhörer.

Mathematisch minderbegabte Fußballer

Die komplette Palette hat er auf Lager, egal ob es sich um erotisierte Senioren, derangierte Chefs, intellektuell limitierte Damen oder mathematisch minderbegabte Fußballer handelt, wagt sich gar bis auf das glitschige Terrain des politisch Unkorrekten vor. Lustvoll schaut er in piefige Wohnzimmer, Bordelle, Schlafgemächer, Büros oder Kaschemmen, immer ist die nächste Lachsalve längst vorprogrammgiert.

Die Sprache bleibt salopp, saftige Ausflüge ins Vulgäre inklusive: Ein wildes Feuerwerk aus derben Sprüchen, Platitüden und Apercus. Markus Krebs gelingt es, sämtlichen Aggregatzuständen des Lebens etwas ungemein Lustiges abzugewinnen und somit die Besucher zwerchfellerschütternd zu amüsieren.

Von Heinz-Jürgen Rickert