Donnerstag , 22. Oktober 2020
Hauptdarsteller Alfred (Wolfram Fuchs) im Zentralgebäude. Foto: Spinn

Ekel Alfred haut nicht vom Hocker

Lüneburg. Dieser Abend war zwei, wenn nicht drei Nummern zu groß für die Kammeroper Köln. Der Name weist schon darauf hin: Produktionen einer Kammeroper sind eh er für kleine Räume gedacht. Das Libeskind-Auditorium aber fasst an die 1000 Besucher, und die Bühne ließ sich mit den Requisiten für „Ekel Alfred“ nicht füllen. Zu groß bzw. deutlich zu hoch waren für das Gebotene auch die Eintrittspreise. Bis über 60 Euro waren für – drittens – eine Aufführung von durchschnittlichem Niveau zu berappen.

Der dauermortzende Erzkonservative

Die Kammeroper Köln besteht seit gut zwanzig Jahren und ist eigentlich auf Musiktheater spezialisiert. Mit „Ekel Al­fred“ greift Regisseur und Hauptdarsteller Wolfram Fuchs auf die berühmt gewordene ARD-Serie „Ein Herz und eine Seele“ zurück. Autor Wolfgang Menge ließ in den 70er-Jahren den selbstgerecht dauermotzenden Erzkonservativen Alfred Tetzlaff auf die nächste Generation treffen, die miniberockt daherkommt und sich eher links verortet.

Fuchs griff zwei Episoden heraus: „Frühjahrsputz“ und „Silberne Hochzeit“. Fuchs ist zweifellos ein guter Ekel-Typ, ein schnodderiger Kotzbrocken. Aber alles kommt doch steif und eindimensional daher, ein wenig wie Aufsage-Theater. Die Pointen sind nicht ausgereizt, die Figuren wirken eher staksig. Dass die Technik immer wieder streikt, steigert die verhaltene Stimmung nicht gerade. Mal nebenbei: Thomas Ney hatte in Lüneburgs KulturBäckerei vor zwei Jahren den „Silvesterpunsch mit Knalleffekt“ in Szene gesetzt und zwar um einiges treffender als zumindest Teil eins an diesem Gastspiel-Abend.

Braver Beifall am Ende

Geschmeidiger läuft es in weiten Teilen bei der „Silbernen Hochzeit“. Dialoge greifen nun über weite Strecken eher ineinander, die Tontrechnik klappt. Bei der Inszenierung wäre ein wenig Distanz zur Vorlage sicher nicht schlecht gewesen. Aber Alfreds Frau Else (Doris Otto), die „dusselige Kuh“, bleibt so greinend naiv wie Tochter Rita (Karin Punitzer) als Dummchen, bei dem nicht deutlich wird, was außer langen Beinen dem sozialdemokratisch angehauchten Schwiegersohn (Mario Zuber) an ihr gefällt. Britt Kohlhaas ist noch als Ober dabei, auch aus ihrer Rolle wäre mehr herauszuholen gewesen.

So gibt es am Ende dieser routiniert runtergespielten Episoden braven Beifall. Begeistert klang der nun wirklich nicht.

Der Prospekt zur Tour versprach „Lüneburg Kultur Highlights 2019“ und kündigte „Weltstars“ an. An dem selbst genannten Anspruch gemessen, war der Abend – na ja, das soll verschwiegen sein. Highlights, die nicht in diesem Prospekt stehen, kommen aber tatsächlich ins Audimax: Spitzenjazz mit 4 Wheel Drive (7. 4.) und der NDR Bigband (15. 8.) , Top-Unterhaltung mit Ulrich Tukur (6. 7.) und die A-Cappella-Stars Alte Bekannte (2. 11.).

von Hans-Martin Koch