Mittwoch , 30. September 2020
Evelyn Huber studierte Jazzharfe und ist seit 2008 Mitglied bei Quadro Nuevo. Foto: Hülskämper

Quadro Nuevo nimmt Besucher mit auf Reisen

Winsen/Luhe. Irgendwann so gegen 23 Uhr werden Harfe und Kontrabass, Vibrandoneon, Bassklarinette und alles andere verstaut gewesen sein. Wieder haben die vier Musiker von Quadro Nuevo ein begeisterndes Konzert gegeben, zwei und eine halbe Stunde im ausverkauften Marstall in Winsen/Luhe. Nun macht sich auch die Band auf den Heimweg, irgendwann in der Früh werden sie den Berufsverkehr in München gemeistert haben – in Richtung Rosenheim.

Von Norddeutschland nach Ägypten

Es ist nicht leicht, reisender Musiker zu sein. Mulo Francel, Andreas Hinterseher, Evelyn Huber und D.D. Lowka sind die langen Fahrten gewohnt, und am kommenden Wochenende spielen sie erneut im Norden: Schwerin, Bad Oldesloe, Kiel.

Quadro Nuevo. Foto: Hülskämper
Quadro Nuevo. Foto: Hülskämper

Quadro Nuevo steht inhaltlich für etwas, das sich im Allerweltsbegriff Weltmusik bündelt. Die Gruppe stöbert Musikkulturen der Welt auf, der erste Teil des „Flying Carpet“-Programms an diesem Abend spiegelt Erfahrungen von Ägypten-Reisen. Der Radius der Gruppe erweitert sich Jahr um Jahr. Sie hat in Italien „Canzione della Strada“ eingesammelt, in Buenos Aires Tango getanzt und im Kaukasus fremden Rhythmen gelauscht. Im April ist Quadro Nuevo zum „Jazz Marathon“ nach Hongkong eingeladen. Eine Pakistan-Reise aber haben sie gerade abgesagt, zu dem Schritt wurde aus Sicherheitsgründen dringlich geraten.

Erfolg stellte sich langsam, aber stetig ein: Das „Mocca Flor“-Album aus dem Jahr 2004, eingespielt mit dem später verunglückten Robert Wolf, wurde gerade mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. 100 000 verkaufte Tonträger sind in der Weltmusikszene eine echte Hausnummer.

Zum Blick auf ferne Kulturen kommt der auf die eigene: Es gibt Programme mit alten Weihnachtsliedern und eines für Kinder. Im Frühjahr erscheint „Volkslied reloaded“. Daraus spielt das Quartett im Marstall eine Kostprobe: „Die Gedanken sind frei“. Das ganze Volkslied-Programm folgt am 7. Juli im Kulturforum Lüneburg.

Improvisation ist Teil des Konzepts

Alles, was Quadro Nuevo spielt, wird mit Jazz verbunden. Die Improvisation ist fester Teil des Konzepts. Ebenso das geradezu sinnliche Austarieren von Klangmischungen – freie Ausbrüche münden in „magnetische Melodien“, wie die Musiker es selbst nennen.

Nach Winsen geholt wurde Quadro Nuevo vom sehr aktiven Kulturverein. Ohne dessen ehrenamtliche Arbeit wäre Winsen arm. Die Stadt fördert den Verein verlässlich, seit fünf Jahren steht Markus Laudahn an der Spitze. Nicht immer ist der Marstall so schnell gefüllt wie bei Quadro Nuevo, aber auch Kammermusik findet Freunde. Das dürfte beim Trio Wildes Holz kein Problem sein, wenn die sich am 11. Mai in ihrem „Ungehobelt“-Programm rasant von Klassik bis Hardrock (für Blockflöte!) spielt.

Vorher gibt es Theater: am 6. März die Komödie „Die Tanzstunde“, am 20. März Kabarett mit der Berliner Distel, am 4. April Molières „Tartuffe“ und am 9. Mai erneut Kabarett, dann mit Mathias Richling. Das findet alles in der Stadthalle statt. Näheres: www.kv-winsen.de.

von Hans-Martin Koch