Samstag , 24. Oktober 2020
Joachim Goerth setzt einen Bohrhammer an, Museumsleiterin Hilke Lamschus hält einen Schlangenbohrer bereit. Foto: ff

Drücken, drehen, löchern

Lüneburg. Wie bohre ich ein Loch in die Zimmerwand? Möglichst eines in der gewünschten Größe und Tiefe? Diese Frage ist in der Menschheitsgeschichte relativ neu , Antworten gibt Joachim Goerth mit einer neuen Sonderausstellung im Salzmuseum. Dort zeigt der Lüneburger eine Auswahl historischer Geräte, mit denen sich Holz, Stein und Metall traktieren lassen.

„Löcher in die Wand zu bekommen, das ist ein modernes Problem“, sagt Joachim Goerth, „Wasser- und Stromleitungen in Haushalten gibt es ja auch noch nicht allzu lange.“ Der Professor für Elektrotechnik ist ein leidenschaftlicher Werkzeug-Sammler, hatte bereits mit Messgeräten im Museum die Vitrinen bestückt.
Nun also Bohrgeräte. Das größte Exponat ist zum Anfassen und Drehen – ein Löffelbohrer, um Baumstämme auszuhöhlen, die dann aneinandergefügt der Saline als Sole-Leitungen dienten. Das muss Knochenarbeit gewesen sein; immer wieder haben sich Handwerker etwas einfallen lassen, um das Drücken und Drehen zu erleichtern.

Führungen am 8., 16. und 24. Januar

Es gibt Spindelbohrer mit Schneckengewinde, Konstruktionen mit schweren Schwung-Kugeln, die sich mit der Fliehkraft nach außen stellen und gleichmäßige Umdrehungszahlen gewährleisten sollen. Es gibt Brustbretter, damit sich der Bohrende mit möglichst viel Körpergewicht hinter den Bohrer stemmen kann, und natürlich hängt es von der Härte der Spitze ab, wie effizient das Loch vorangetrieben werden kann – vom geschmiedeten Eisen zur „Verstählung“ war es ein gewaltiger Fortschritt. Näberschmiede bildeten eine eigene Zunft, ihre Kunst war es, der Name sagt es, Radnaben herzustellen. Es gibt skurrile Gerätschaften, „viele Werkzeuge begreift man erst“, so Goerth, „wenn man das Handwerk kennt“. Am 8., 16. und 24. Januar bietet er Führungen zu seiner Sammlung an.

Vor dem liebsten Spielzeug echter Männer, also dem Black & Decker aus dem Baumarkt, war der mechanische Bohrhammer: Mit der Kurbel wird ein Dreh- und Stoß-Mechanismus angetrieben, das fühlt sich in den Händen an wie eine ratternde Maschinenpistole. Leiser geht der kleinste Bohrer zu Werke, der in der bis 17. Februar laufenden Ausstellung nicht im Original gezeigt sondern nur beschrieben wird: der Holzwurm. Er frisst sich übrigens auch in die Gegenrichtung, vom Ei tief im Holz an die Oberfläche. ff