Donnerstag , 24. September 2020
„De ehrboren Lüüd in Flettkaten“ sind keineswegs alle ehrbar, davon erzählt Grete Hoops in ihrem ersten Kurz-Krimi. Foto: ff

Banküberfall im Moordorf

Flettkaten/Lüneburg. Grete Hoops mag keine modernen Krimis – egal ob Buch, Kino oder Fernsehen: „Zu grausam, zu viel Blut, zu hektisch“, findet die Autorin, die selbst schon fünfzehn Bücher geschrieben hat, allesamt auf Plattdüütsch. Buch Nummer sechzehn ist nun ein Kriminalroman geworden: „De ehrboren Lüüd in Flettkaten“, ganz nach dem Geschmack von Grete Hoops, die gern an den etwas betulichen TV-Inspektor Derrick zurückdenkt, an den „Alten“, an Miss Marple und an die Romane der „Stahlnetz“-Reihe.

Einmal im Jahr, immer so kurz vor Weihnachten, besucht Grete Hoops aus Tarmstedt die Redaktion der Landeszeitung Lüneburg, um ihr neues Buch vorzustellen. Mit ihren 83 Jahren lässt sie sich mittlerweile von ihrem Sohn Peter chauffieren. „Dass mit dem Krimi haben Sie mir angeschnackt“, sagt Grete Hoops, und grinst. Bisher hat sie Kurzgeschichten veröffentlicht, die meisten beruhen auf wahren Begebenheiten, auf Erzählungen, die sie in Tarmstedt zu hören bekam.

Die „Kriminaler“ aus der Kreisstadt

Nun also ein Krimi, „da musste ich mir nun selbst was ausdenken“, denn ein literaturfähigen Verbrechen gab der Alltag von Tarmstedt mit seinen etwa dreieinhalbtausend Bewohnern nicht her. Also spielt „De ehrboren Lüüd“ in dem fiktiven Moordorf Flettkaten. Hier ist es nun tatsächlich zu einem bewaffneten Überfall auf die Sparkassenfiliale gekommen, niemand kam zu Schaden, aber das Geld ist weg. Die beiden Dorfpolizisten walten ihres Amtes, leider gibt die Täterbeschreibung nichts her. Hier sind die „Kriminaler“ zu rufen, die Kripoleute aus der nächsten Kreisstadt.

Doch Flettkaten hat auch noch seinen Bürgermeister, einen Bauern auf dem Altenteil, der ist nun seit dreißig Jahren im Ehrenamt und kennt seine Pappenheimer. Allns ehrbore Lüüd? Der Bürgermeister will den Ruf seines Dorfes retten und stößt bei seinen Ermittlungen auf unschöne Dinge, über die eigentlich Gras wachsen sollte. Aber ein Bankräuber mit Pistole? Die er womöglich auch noch benutzen würde? Fest steht: Der Täter kennt sich aus. Denn er schlug kurz nach zwölf Uhr zu, das ist die Zeit, in der auf dem Dorfe die Straßen leer sind, weil brave Familien dann zu Mittag essen. Und die Küchen der Bauernhäuser liegen durchweg nach hinten raus, das ist noch die Folge der jahrhundertealten Besiedlungspolitik der Moorregion.

Sicherheitshalber auch mal Hochdeutsch

Übermäßig kompliziert zu lesen ist die Akte Flettkarten nicht, aber Grete Hoops hat sicherheitshalber auch an jene Leser gedacht, die mit dem Plattdüütschen nicht so richtig vertraut sind: Die Kriminaler aus der Kreisstadt und einige andere Protagonisten, die Gattin des Bürgermeisters zum Beispiel, sprechen hochdeutsch, das erleichtert das Verständnis der Ermittlungen. Stolz ist die Autorin auf die Resonanz ihres Vorjahrestitels „Oh Tobi, wonehr warrst du klook!“, dessen Kurzgeschichten sich an junge Leser richten: In der Samtgemeinde Hollenstedt wurde das Büchlein an alle Kindergärten und Grundschulen verteilt.

So ganz weg von den Kurzgeschichten ist die bodenständige Autorin auch diesmal nicht: Das Geschehen wurde in 14 überschaubare „Stremels“ gepackt, in Kapitel also, und für den ganzen Kriminalfall, ein kleines Übersetzungsregister eingeschlossen braucht Grete Hoops 65 Seiten, das muss reichen. (Isensee Verlag Oldenburg, 2018, mit Zeichnungen von Ute von der Wehl, 8,50 Euro).

Von Frank Füllgrabe